Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief
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Verfasser Hardenberg, Friedrich Karl von (1696–1763)[1]
Empfänger Regierung
Ort Hardenberg (heute: Nörten-Hardenberg)
Datum 28. Juni 1751
Signatur
Reinschrift SUB Göttingen: Cod. Ms. T. Mayer 15.4, Nr. 19, Bl. 45r–46v
Entwurf Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 9272, Bl. 27r–29r
Transkription Hans Gaab, Fürth
Weitere Briefe zum Thema
Die Instrumente von Kohlreif
  • 07.06.1751: Segner weist erstmalig auf die Instrumente aus dem Nachlass von Kohlreif hin.
  • 28.06.1751: Hardenberg befürwortet, sich die Instrumente aus dem Nachlass von Kohlreif anzusehen.
  • 01.07.1751: Die Regierung kennt niemanden, der die Instrumente von Kohlreif begutachten könnte.
  • 12.07.1751: Segner bietet an, über die Instrumente von Kohlreif Erkundigungen einzuziehen.
  • 17.07.1751: Segners Angebot wird dankend angenommen sowie dessen Pro Memoria.
  • 16.08.1751: Informationen zu den Instrumenten von Kohlreif werden weitergereicht.
  • 11.09.1751: Erneut werden Informationen zu den Instrumenten von Kohlreif weitergereicht.

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Hardenberg den 28ten
Jun: 1751.

P: M:

Zu den ohngefehren Anschlag der Instrumente, und zu denen von Hl. Segner[2] und Mayer, mir desfals zugesandten Anmerkungen.

1. Die Verfertigung des Octanten, müsten vors erste ausgesetzet bleiben, bis die Antwort von dem Praesid: Folkes[3] eingelauffen und Geld dazu vorhanden ist.

2. Wäre der in der Kohlreiffischen auction[4] no 124. bezeichnete Quadrant dermaßen beschaffen, wie es Hl. Segner und Mayer wünschen; So müße man einen des Wercks Verständigen[5] zu deßen Ankauf commitiren, vielleicht bekähme man selbigen noch vor der auction für rtl. 30. bis 40. thl. Ingl. der 2.te nro 125. Taugen aber diese quadranten nichts so ist freyl. nicht rathsam vieles daran zu wenden.

3. Zu dem kleinen Portatilischen quadranten würden 40 thl. bewilliget.

4. desgl. 50 thl. zu dem in Göttingen zu verfertigenden Sectore.

[Bl. 45v]
5. item 25 thl. zu dem Instrument, womit die ascensional Differentzen bestimt werden

6. -- 80 thl. zu 2 Pendulen, nach Grahams Einrichtung.[6]

7. -- 18. thl. zu der kleinen Astronomischen Pendule.

8. Cessat.[7]

9. -- 40. thlr. zu einem Transitorio

10. Würde die Erlaubniß ertheilet, die Bülowschen Tubos,[8] so gut möglich unter Aufsicht Hl. Segnern u. Mayer einrichten zu laßen und 15 thl zu einen Schrauben micrometro bewilliget.

11. der Tubus von 10. bis 12 Fueß mit einem micrometro, wäre beÿ Graham zu bestellen ich schreibe desfals künfftige Post an Hl. geh[eim]bten Secr. Meyer,[9] und ersuche ihn selbst mit Graham zu sprechen, und von ihm den Preiß und die Zeit der Verfertigung zu erfragen.

12. cessat vors erste.

[Bl. 46r]
13. zu denen Machinis parallacticis, würden überhaupt 100. thl. bewilliget.

15.[!] dergl. 30. fl. zu 2 unbewegl. Tubis

  Sind die Gläser der Kohlreiffischen Fern= Röhren gut und brauchbar, insonderheit die objective so könte man selbige, nebst dem micrometro auch ankaufen, allein der commissionair muß sich nicht merken laßen daß man alles dieses für Göttingen begehre.

Alle vorbenandte Stücke werden 5. bis 600 t. erfordern, da nun der fond zum observatorio in 3/m t. bestehet, wovon 2/m pro fabrica abgehen, so blieben noch 400 t. vors erste übrig.

Der Göttingische magistrat muß vor allen Dingen, die Sprützen mit den allerfordersamsten in ein interims Behältniß bringen laßen, denn sonsten der Bau auf Mich:[10] 1752. ohnmögl. fertig seÿ kann.

Beÿ dem dem Maurermeister[11] ad 240 thl. per contractum zugesagten Vorschuß finde nichts

[Bl. 46v]
zu erinnern fals der Meister, ein in Göttingen angeseßener Mann ist; oder sonst caution stellen kan.


v. Hardenberg.

Wann die Kohlreifischen quadranten nicht brauchbar seÿn solten, so müste ein dergl. Instrument, von Hl. Prof. Mayer, in Nürnberg sogleich bestellet werden.


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Fußnoten

  1. Friedrich Karl von Hardenberg (06.01.1696–24.05.1763) war ein hannoverscher Diplomat und Gartenarchitekt, der sich für die Errichtung der Sternwarte in Göttingen einsetzte. Dass er aber bereits auf seiner Englandreise von 1744/45 Geräte für die Sternwarte anschaffte, ist nicht haltbar, vgl. Bernd Adam in Bothmer, Köhler 2011, S. 43; Klausa 1990, S. 82.

    • Bothmer, Wilken von / Köhler, Marcus (Hrsg.): Im Auftrag der Krone. Friedrich Karl von Hardenberg und das Leben in Hannover um 1750. Rostock: Hinstorff 2011.
    • Klausa, Gustava-Alice: Friedrich Karl von Hardenberg (1696–1763). Ein hannoverscher Hofmann und Staatsdiener im Zeitalter der Aufklärung. Hildesheim: August Lax 1990.

  2. Johann Andreas Segner (09.10.1704–05.10.1777) war seit 1735 Professor für Mathematik und Naturlehre in Göttingen. Ab 1748 war er mit der Planung der Sternwarte befasst, ab 1751 überwachte er die Bautätigkeiten. 1755 wechselte er nach Halle.

    • Kleinert, Andreas: Johann Andreas (von) Segner (1704–1777). Reports on Didactics and History of Mathematics 19, 2002, S. 15–20.
    • Rab, Irén: Die Rolle von Johann Andreas Segner (1704–1777) bei der Errichtung der ersten Göttinger Sternwarte. In: Lengyel, Zsolt K. (Hrsg.): Ungarn-Jahrbuch. Zeitschrift für interdisziplinäre Hungarologie 37, 2021. Regensburg: Friedrich Pustet 2022, S. 41-63.

  3. Martin Folkes (29.10.1690-28.06.1754) war von 1741 bis 1753 Präsident der Royal Society in England. Hardenberg hatte sich mit ihm auf seiner Englandreise von 1744/45 angefreundet.

  4. Gottfried Kohlreif (01./11.10.1676–13.08.1750) war evangelisch-lutherischer Dompropst am Ratezburger Dom. Sein Nachlass wurde am 16.08.1751 versteigert. Im zugehörigen Katalog waren auch Instrumenta Astronomica verzeichnet ("Geheftete Bücher" mit eigener Seitenzählung am Ende des Katalogs, S. 22).

    • 124. Ein Meßingen in Engelland verfertigter Astronomischer Quadrante von 26. Zoll im Radio.
    • 125. Ein dito 20. Zoll im Radio.

  5. Aus dem Schreiben von Balck vom 01.08.1751 geht hervor, dass man keinen Sachverständigen kannte, der die Qualität der Quadranten vor Ort beurteilen konnte.

  6. George Graham (07.07.1673–16.11.1751) war ein bekannter englischer Uhrmacher. Diese Uhren wurden von Franz Lebrecht Kampe (um 1712–26.05.1785) angefertigt, der dafür 130 Reichstaler erhielt.
    Kampe (um 1712–26.05.1785) hatte u.a. unter Segner in Göttingen studiert. Am 15.01.1740 wurde er zum Rats- und Bauherrn ernannt. Er fertigte aber auch mechanische und astronomische Geräte an. Doch war er ein vielbeschäftigter Mann, wodurch es bei der Auslieferung der Geräte immer wieder zu Verzögerungen kam.

    Für die Sternwarte fertigte er u.a. auch noch die folgenden Geräte an:

    • Ein kleiner Quadrant mit einem Radius von etwa einem Fuß, der nach 1754 fertiggestellt wurde.
    • Ein dreifüßiger Azimutalquadrant, der aber erst nach 1763 fertiggestellt wurde.

    Literatur:

    • Behrendsen, Otto (08.12.1850–01.04.1921): Zur Geschichte der Entwicklung der mechanischen Kunst. Deutsche Mechaniker-Zeitung, 1. Juni 1907/11, S. 101–107, hier S. 101–104.
    • Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen 1785, 1, S. 992 (Nachruf).
    • Poppe, Johann Heinrich Moritz (16.01.1776-21.02.1854): Franz Leberecht Kampe, weil. Senator, Bauherr und Mechanikus zu Göttingen. Neues hannoversches Magazin 9, 1799, Sp. 501-512.
    • Wellenreuther, Hermann (Hrsg.): Göttingen 1690–1755. Studien zur Sozialgeschichte einer Stadt. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1988, S. 36 (Bewerbungsschreiben mit Schilderung seines Werdegangs); S. 343, Tabelle 1, Eintrag 36; S. 365, Tabelle 2, Eintrag 1740, 4.1.
    • Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 7264, Bl. 16r (zum Preis für die Uhren).

  7. cessat: ruht.

  8. Joachim Heinrich von Bülow (1650-1724) war Staatsminister in Königlich britischen Diensten, Großvoigt von Celle und Geheimer Rat gewesen. Seinen großen Bücherbestand sowie einige physikalische und mathematische Instrumente erhielt 1734 die Universität Göttingen als Geschenk.
    Mit Brief vom 07.06.1751 hatten Mayer und Segner angefragt, ob sie Linsen aus den Instrumenten von Bülow verwenden dürften.

  9. Johann Friedrich Meier (12.05.1705–22.041769) war ab 1737 26 Jahre lang Geheimsekretär in London. Wilhelm Philipp Best (27.02.1712–29.12.1785), der bei der Beantragung des Längenpreises für Mayer eine gewichtige Rolle spielte, heiratet 1747 eine Tochter von Meier. Im Hardenbergschen Familienarchiv Nr. 1488, fol. 30–31 befindet sich ein Brief von Meier vom 20.08.1751 bzgl. des Ankaufs von Instrumenten im Auftrag Hardenbergs bei John Bird.

    • Adam, Bernd: Einleitungsessay. In: Die Reise Friedrich Karl von Hardenbergs nach England in den Jahren 1744/45. AHA! Miszellen zur Gartengeschichte und Gartendenkmalpflege Nr. 8, 2024, S. 28, Fußnote 59.
    • Bühring, Benjamin: Die deutsche Kanzlei in London. Kommunikation und Verwaltung in der Personalunion. Großbritannien-Kurhannover 1714–1760. Göttingen: Universitätsverlag 2021, S. 158, 180, 218.
    • Lampe, Joachim: Aristokratie, Hofadel und Staatpatriziat in Kurhannover. Die Lebenskreise der höheren Beamten an den kurhannoverschen Zentral- und Hofbehörden 1714–1760. Band 2: Beamtenlisten und Ahnentafeln. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1762, S. 38, Eintrag 193 (zur Biographie von Johann Friedrich Meyer), S. 338–339 (Ahnentafel).

  10. Michaelis bezeichnet das Fest des Erzengels Michael am 29. September.

  11. Der Maurer und Stukkateur Johann Caspar Heine stammte aus Hirschbach bei Dresden und erhielt am 30.09.1735 in Göttingen das Bürgerrecht. Er wohnte seit 1748 in der Gothmarstr. 523. Er scheint 1764 gestorben zu sein. Mayer war mit dessen Arbeiten sehr zufrieden.

  12. Wellenreuther, Hermann: Göttingen 1690–1755. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1988, S. 378, Tabelle IV, Eintrag 280; S. 455, Tabelle XIV, Eintrag 143.


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