Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief  
Verfasser Müller, Gerhard Friedrich (1705–1783)[1]
Empfänger Mayer, Tobias (1723–1762)
Ort St. Petersburg
Datum 30. Juli 1754
Signatur SUB Göttingen: Cod. Ms. T. Mayer 15.2, Bl. 26r–v
Transkription Hans Gaab, Fürth. Doch siehe

  • Roth, Erwin: Briefe von und an Tobias Mayer. Marbach am Neckar: Tobias-Mayer-Museum 1992, S. 26


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Hochedelgebohrner
Hochzuehrender Herr Professor


Es kann denen selben nicht mehr unbekannt seÿn, daß unsere Academie wünschet in Dero Person einen Zuwachs zu erhalten, wovon sie sich so wohl Ruhm als Nutzen mit Gewißheit versprechen kann. Wenn nun Herr Prof. Euler bereits einige Hoffnung gemacht, daß Ew Hochedelgebl. den Antrag, den man Ihnen thun möchte, nicht ausschlagen würden; So habe hiemit die Ehre auf ausdrücklichen Befehl Seiner Hochgräflichen Excellence des Herrn Hetmanns von Klein Rußland und Hochbetrauten Presidenten unserer Academie[2] eine Stelle beÿ derselben wozu dieselbe selbst die meiste Neigung haben werden anzubieten. Zwar sind nur eigentlich die Stellen der Matheseos sublimioris, Physices Experimentalis und Mechanices vacant. Allein des Tituls wegen, wenn Ihnen auch keiner von diesen belieben sollte, ist leicht Rath zu schaffen. Oder Ew. Hochedelgebl. können ohne bedencken einen von gedachten Titul erwehlen,

[Bl. 26v]
und dem ungeachtet die Freÿheit behalten, in einer andern Disciplin, wozu Sie ihre Neigung treibt, zu arbeiten. Insbesondere, glaube ich, würde Ihre bekandte Geschicklichkeit in der Geographie hier auf eine sehr vergnügliche Art genähret werden können. Gefällt Ihnen nun dieser Antrag, so bitte die Conditiones, wornach Sie sich zu engagiren gedencken, selbst vorzuschlagen, denen man nach Möglichkeit zu favorisiren gedencket. Vorläufig kann, was die Emolumenta[3] betrifft, so viel melden, daß die erste Gage eines Professoris allhier 660 Rubel zu seÿn pfleget, die aber nach der Hand in Ansehung der Verdienste, oder auch gleich angangs nach Gutbefinden des Herrn Presidenten höher gesetzet zu werden pfleget. Ich erwarte eine baldige Antwort, die an Herrn Prof. Euler abgeschickt werden kann, und habe die Ehre mit Versicherung meiner vollkommensten Hochachtung und Erbietung aller Gefälligkeiten zu seÿn,

Ew Hochedelgebohren

St. Petersburg
d. 30 Jul. 1754.

Gehorsamst ergebenster
Diener
Ger. Fr. Müller.

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Fußnoten

  1. Georg Friedrich Müller (18./29.10.1705–1./22.10.1783) war von 1753 bis 1765 Leiter des Geographischen Departements der Petersburger Akademie, parallel dazu war er von 1754 bis 1765 Konferenzsekretär. Er hatte an der zweiten Kamtschatka-Expedition teilgenommen und war mit deren Auswertungen beschäftigt.

  2. Präsident der Petersburger Akademie war von 1746 bis 1798 Graf Kyrill Grigorjeviĉ Rasumowski (18.03.1728–03.01.1803), der von 1750 bis 1764 auch Hetman der Ukraine war, also der oberste Fürer der dortigen Kosaken.

  3. Emolumenta: Einkommen bzw. Besoldung.
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