Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Verfasser Müller, Johann Heinrich (1723–1777)[1]
Empfänger Landesregierung
Ort Göttingen
Datum 24. Mai 1759
Signatur Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 9727, Bl. 71r–77r
Transkription Hans Gaab, Fürth

Nr. 14 pr. 31. May 1759.
Balck.[2]

Königl: Großbrittanische zur Chur=Fürstl:
Braunschweig Lüneburgischen Landes=Regierung
Höchst verordnete Herrn geheime=Räthe pp

Hoch und Hochwohlgebohrne
Gnädige auch Hochgebietende Herrn!


Euer Excellenzen haben unterm 10ten dieses, in hohem Betracht, der von dem Hl. Prof: Maÿer, beiliegenden Anzeige, wegen nötiger Reperation des Observatorii, in Gnaden mir befohlen, nach genommenen Augenschein, so wohl davon, als wegen vorgeschlagenen blechenen Röhren pflichtmäßen Bericht, und Anschlag, in Unterthänigkeit zu erstatten.

[Bl. 71v]
Zu gehorsamster Befolgung dieses hohen Befehls, habe am 14ten dieses, mit dem Hl: Prof: Maÿer die Abrede genommen, daß Tages darauf, dieselben bei der Nachsicht mit gegenwärtig sein wolten; da sich denn gefunden, daß

1.) bei dem ersteren Auftritt der Treppen die Feuchtigkeit von der anstoßenden Stadtmauer, biß zur innern Seite des Observatorii durch gedrungen, und der daselbst befindl: Tunch und Anwurf mindestens à 10. Fuß quadrat los genomen= und wen solche Stelle wieder nach gedrocknet, neu überleget und abgeweißet werden müße. Auf ersteren Gebälcke ist
 
2.) Nächst denen daselbst befindlichen Außenfenstern, gleiche Beschädigung, von der durch die Gallerie beständig durch saugende Näße entstanden; so, daß auch
 
3.) die Fenster Gewölbe, und deren Faßung

[Bl. 72r]
  von dießer Feuchtigkeit, alschon in der Maaß durch weichet sind, daß ein anhaltender Tropen=Fall, zwischen ihrer Verbindung durchfließet; woher den die Anfaulung der Balcken nothwendig erfolget, auch in der auf dießem Gebälcke, abgeschlagenen Kammer bereits so mercklich worden, daß der Wand=Träger, die Schwelle, und Säule, von der Näße gänzl: durchdrungen und vermodert ist. Bei welchem Umstand, noch weiter eintrifft, daß auf eben dem Wand= und demselben parallel gezogenen Träger, die Haupt Verbindung der Balcken=Lage des Observatorii verbunden sind; In welchem Erwegen dan auch der Hl: Prof: Maÿer für bedencklich halten, solche zu repariren, woher den dermalen dieße Beschädigung nicht mehr abzuändern, sondern mittelst Ausbeßerung der Gallerie sorgfältigste Vorsicht zu nehmen sein möchte,

[Bl. 72v]
  daß das angefaulete abgedrocknet, und für dem weitern eindringen gesichert werde. Die beide in dießer Kammer befindliche Fenster sind
 
4.) ebenso, wie in Vorstehendem gehorsamst berühret, schadhafft, und derowegen ihre Reparatur in dem Anschlag Nr 1, zu hoher Einsicht mit auf geführet. Auf dem Observatorio selbsten, ist
 
5.) der Ausbau gegen Morgen, vom Tunch entblößet, ingleichen möchten die befindliche 5. Thuren, gegen die aufdringende Verwitterung, iede mit Ziegeln zu verwahren sein; so fehlet auch eben daselbst, eine Eißenstange zum Aufheben der Dach=Klappen. In Betracht der Gallerie kan
 
6.) Ewr Excellenzen in pflichtmäßer Unterthänigkeit nicht uneröffnet laßen, daß solche in der Haupt Anlage, nicht so executiret ist, als solches, die Dauer und Kostbarkeit dießes

[Bl. 73r]
  Gebäudes erfodert hätte; derowegen solche unterwärts mit einer Abdachung zu Ableitung der Verwitterung hätte versehen= und auf den Trag=Steinen, mit ganzen Stein=Platten bedeckt werden müßen; damit der Regen unbehindert und frei abfließen, und die Grundmauer von der nun nicht mehr abzuänderten Näße, gesichert bleiben können. Da aber solche über der Einziehung der untern Mauer, mit kleinen Blatten beleget worden, zwischen welchen die Feuchtigkeit unterwärts durch gesogen; so haben solche nothwendig bei dem Erfrieren des unter gelaufenen Waßers, aus ihrer Verbindung gerücket, und die gegenwärtige irregulaire Lage erhalten müßen; derowegen so wohl in Ermeßen dieser, als der andern dabei eintrettenden besondern Bedencklichkeiten, der Hl: Prof: Maÿer, die Verküttung der sämtlichen Fugen, für das diensamste achten und versichern, daß in Nürnberg ein besonderer Eisen=Kitt verfertiget würde, womit man die Fugen beständig verbinden könne.

[Bl. 73v]
  Wären auch bereit solchen auf Befehl Eur Excellenzen zu verschreiben, oder auch, welches bewanden Umständen nach thunlicher, mit dahin zu sehen, daß der Maurermeister Heine[3] die Verküttung mit solchen Bestand=Theilen bewürckete, daß mindestens das Regen=Waßer und davon zu beförchtende Schaden, nicht weiter eindringe; welchem Endzweck den freilich
 
7.) die Verfertigung der Trauf=Rinnen, um das ganze dach, zum abführen des Regenwaßers, ein großes mit beitragen werde. D as Schiefer dach ist
 
8.) an verschiedenen Stellen schadhafft, weilen aber kein Schiefer=decker hier angeseßen, sondern ein goslarischer Meister aljährlich, und ohngefehr gegen Johannis=Tag,[4] die nötigen Reparaturen, der hiesigen Orts befindlichen sehr wenigen Schiefer=Dacher, versiehet: so habe

[Bl. 74r]
  über den eigendlich erfoderlichen Betrag keinen namendlichen Anschlag anrechnen können, und mithin aus sub Nr 1, in Unterthänigkeit mit aufgeführet, wie viel etwa ungefehrl: davon zur Berechnung kommen möchte.
Als auch noch
 
9.) der Hl: Prof: Maÿer nach bereits volzogenes vorbeschriebenem gehorsamsten Nachsuchen des Observatorii, bei dem Weggehen das äußere Ansehen dieses Gebäudes in Augenschein zu nehmen erinnerten, und anzogen, daß es zur besondern Zierde deßen gereichen würde, wen die untersetzte alte Stadt=Thurn=Mauer berappet,[5] aus gebuzet, und abgeweißet würde: So habe auch darüber einen besondern Anschlag zu hoher Einsicht

[Bl. 74v]
  unterthänig angebogen.

Ich verharre in devotestem Respect

Eur Excellenzen

Goettingen
den 24ten Maii 1759.

ganz unterthänig gehorsamster
Diener      
Johann Michael Müller


[Bl. 75r]

Anmerkung Die auf der linken Seite angegebenen Ziffern beziehen sich auf die Nummer in obigem Bericht.

Nr 1
Bau=Anschlag, was die Reparatur des Goettingischen
Observatorii betragen möchte.

  Maurer Arbeiten  
  a. Neu zu berappen und anzuweißen  
 
1.   bei dem erstern Auftritt der Treppen â 10 und 10 Fuß quadrat thut 100.      
2.   Auf dem ersteren Gebälcke, â 20 und 8 Fuß quadrat thut 160.  
3.   Ebendaselbst die beiden Fenster, â 28 und 5 Fuß quadrat thut 140.  
4.   In der abgeschlagenen Kammer â 24 und 8 Fuß [quadat] thut 192.  
  An den beiden Fenstern daselbst â 28 und 5 Fuß quadrat thut 140.  
5.   Auf dem Observatorio ohngefehr â 12 und 14 Fuß quadrat thut 168.  
   
 
  Summa 900.  
  oder 25 Klafter quadrat[6] à Klafter für Materialien und Arbeit 12 [m]gl. betl. 8. 12  
  Lat: per se.  

[Bl. 75v]
  Cont: Bau=Anschlages
die Reparatur des Goettingl: Observatorio betrl.

  Transport von überstehenden
noch Maurer=Arbeit
8 12  
  b. Neu zu verkitten  
 
6.   Auf der Gallerie ist zusammen gemeßen 80. und 7. Fuß thut 560. Fuß quadrat,[7] a Fuß für alle zubehör und Arbeit 3 mgl: betl. 46 24  
 
Blechner Arbeit
 
7.   80. Fuß verzinnte Trauf=Rinnen, inclusive der Ableitungs Trichter, nach der Länge der Tafeln zu verfertigen, auch mit guter Ölfarbe erfoderlich zu überziehen, und gehorigen Arts zu befestigen, für Material und Arbeit â Fuß 6 mgl betl. 13 12  
 
Schloßer Arbeit
 
7.   15 St: Trauf Hacken zur Befestigung vorberechneter Zinnen zu verfertigen à St. 4 mgl, btl. 1 24  
  10 starcke Ziegell, zu Verschließung der Thüren auf dem Observatorio zu verfertigen und anzuschlagen à St: 24 mgl betl. 6 24  
5.   Ebendaselbst eine Eißeren Stange zu Aufhebung der Dachklappen, zu verfertigen und anzuschlagen betl. 1 24  
 
  Lat: --- 78    

[Bl. 76r]
  Cont: Bau=Anschlages
die Reparatur des Goettingl: Observatorio betrl.

  Transport von überstehenden 8 78  
 
Glaßer=Arbeit
 
  Auf dem Observatorio, den Gang, und Kammer, sind ohngefehr 10 Glaß-Tafeln zerbrochen, solche neuen einzusezen und zu verkitten, thut à St. 6 gl: betl. 1 24  
 
Schiefer=Decker=Arbeit
 
8.   Da das Dach in Ermageln eines Schiefer=Deckers nicht gehorig nachgesucht werden können; so wären dazu ohngefehr zur Berechnung anzusezen 12    
 
  Summe --- 91 24  
  [...?] Neunzig Ein Rthl. 24 mgl.  
  Goettingen den 24ten Maii 1759
JH Müller.  

[Bl. 77r]
  Nr 2
Bau=Anschlag, was die Berappung des Goettingischen
Observatorii betragen möchte

 
Was zu berappen und mit Kalck zu überstreichen
 
9.   a. die Seite nach der Stadt, und dem Eintritt, in das Observatorium, ist 36. und 28. Fuß thut 1008  
  b. die Seite nach dem Wall ist 55. und 32. Fuß thut 1760  
 
 
  Summa --- 2768  
  oder beinahe 77. Klafter, â Klafter für Materialien und Arbeit 12 gl. --- 25 24  
 
 
  Summa per he  
  [...?] zwanzig funf Rthl: 24 gl  
  Goettingen den 24ten Maii 1759
JH Müller.  


Fußnoten

  1. Johann Michael Müller (01.07.1723–30.07.1777) hatte von 1740 bis 1744 Mathematik in Göttingen studiert. 1750 wurde er als Nachfolger von Joseph Schaedeler (11.11.1692–28.07.1763) Universitätsbaumeister wie auch Aufseher über die Gebäude im Gebiet des ehemaligen Fürstentums Göttingen. Ab 1753 konnte er auch Vorlesungen zur angewandten Mathematik in Göttingen abhalten.

    • Appel, Thomas: Göttinger Künstlerlexikon. Göttingen: Universitätsverlag 2022, S. 413

  2. Heinrich Eberhard Balck[e] (06.04.1705–18.10.1769) war geheimer Kanzleisekretär in Hannover.

    • Lampe, Joachim: Aristokratie, Hofadel und Staatpatriziat in Kurhannover. Die Lebenskreise der höheren Beamten an den kurhannoverschen Zentral- und Hofbehörden 1714–1760. Band 2: Beamtenlisten und Ahnentafeln. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1762, S. 20, Eintrag 18 (Biographie), S. 86 (Ahnentafel).

  3. Der Maurer und Stukkateur Johann Caspar Heine stammte aus Hirschbach bei Dresden und erhielt am 30.09.1735 in Göttingen das Bürgerrecht. Er wohnte seit 1748 in der Gothmarstr. 523. Er scheint 1764 gestorben zu sein.

    • Wellenreuther, Hermann: Göttingen 1690-1755. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1988, S. 378, Tabelle IV, Eintrag 280; S. 455, Tabelle XIV, Eintrag 143

  4. Der Johannistag ist der 24. Juni.

  5. berappen: mit Mörtel bewerfen.

  6. 1 Klafter = 6 Fuß. Somit 1 Klafterquadrat = 36 Fußquadrat.
    25 Klafterquadrat = 25 x 36 Fußquadrat = 900 Fußquadrat.

  7. Im Original steht hier: "80. und 7. Fuß quadrat thut 560. Fuß".

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