Galilei und Marius


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Kepler war in Prag damit beschäftigt die Beobachtungen zu studieren, die Tycho und seine Gehilfen über den Mars angestellt hatten, und entwarf darüber eine neue Theorie dieses Planeten; Tengnagel schließich war in die Dienste des Deutschen Kaisers getreten.[1] Die beobachtende Astronomie stagnierte damals. Die Fabricius aus Ostfriesland waren wohl die Einzigen, die weiterhin astronomische Beobachtungen durchführten. Mit seinem riesigen Vorrat an großen Instrumenten schien Tycho alles beobachtet zu haben, was mit bloßem Auge bei einer systematischen Suche am Sternenhimmel zu erkennen war. So bot nur der Zufall die Chance zu einer bemerkenswerten Beobachtung, wie es die Entdeckung des veränderlichen Sterns Mira im Walfisch durch Fabricius, oder die des neuen Sterns im Serpentarius durch Simon Marius und Baldassare Capra war.

Nachdem Marius zunächst auf Kosten des Markgrafen Friedrich von Ansbach-Brandenburg in der Fürstenschule in Heilsbronn philologische, mathematische und astronomische Studien betrieben hatte, verschrieb er sich schließlich ganz der Astronomie. 1596 beobachtete und beschrieb er den großen Kometen dieses Jahres; er stellte öffentlich eine Hypothese über unser Sonnensystem vor, die größtenteils mit dem System des Tycho übereinstimmte. 1599 erschienen seine Novae tabulae directionum, deren Ziel es war zum Gebrauch der astrologischen Prognostiken die Positionen der Planeten in Bezug auf einen beliebigen Horizont berechnen zu können.

Nachdem Tycho aus Dänemark verjagt worden war, hatte er die Einladung von Kaiser Rudolph II. angenommen, die ihn nach Prag führte. Er schlug Marius vor, ihm zu assistieren. Versehen mit einem Empfehlungsschreiben seines Gönners, des Markgrafen, ging Marius im Mai 1601 dorthin. Ein paar Monate später hatte er das Pech, solch einen ausgezeichneten Meister zu verlieren und hatte von seinem Aufenthalt keinen größeren Vorteil als den, Kepler kennen zu lernen.[2] Er kehrte in sein Vaterland zurück, wo er bald, unterstützt durch einen jährlichen Zuschuss seines Patrons, Venedig[3], dann Padua aufsuchen konnte. In dieser Stadt blieb er bis 1605; er lernte Capra und Galilei kennen und war im Vorstand der Vereinigung der deutschen Studenten. Nach seiner Rückkehr nach Ansbach im Jahr 1606, wurde er zum Hofastronomen ernannt und war damit beschäftigt jährlich astronomische und astrologische Prognostiken zu verfassen und eine Übersetzung des Euklids anzufertigen.[4]


Galilei war damals noch durch keine andere Publikation bekannt als der über den Proportionalzirkel und dem was er zu dessen leichterer und erweiterter Handhabung beizutragen hatte.[5] Hauptsächlich durch seine öffentlichen Vorlesungen ...


Fussnoten

  1. [Anmerkung des Bearbeiters] Frans Tengnagel (1576-1622) war ein holländischer Adeliger. 1595 schloss er sich Brahe auf dessen Uranibourg an. 1601 heiratete er eine Tochter Brahes, zu Kepler Astronomie Nova schrieb er ein Vorwort. Dann trat er aber in diplomatische Dienste und leistete keine weiteren Beiträge zur Astronomie.
  2. [Anmerkung des Bearbeiters] Marius lernte bei seinem Aufenthalt in Prag Kepler höchstwahrscheinlich noch nicht persönlich kennen. Auch hatte Marius Prag bei Tychos Tod schon wieder verlassen. Vgl. Gaab, Hans: Zur Biographie von Simon Marius (1573-1624). In: Gaab, Hans; Leich, Pierre: Simon Marius und seine Forschung. Leipzig: AVA 2016, S. 13-102, hier S. 45-47, 81.
  3. [Anmerkung des Bearbeiters] Dass sich Marius zunächst in Venedig aufhielt, ist nicht gesichert.
  4. [Anmerkung des Bearbeiters] Zur Biographie von Marius vgl. Gaab 2016 (wie Fußnote 2).
  5. [Anmerkung des Bearbeiters] Galilei, Galileo: Le operazioni del compasso geometrico e militare. Padua: Pietro Marinelli 1606.

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