Gundelfingers Lätetafeln von 1572. Germanisches Nationalmuseum Nürnberg: HB 25495 Kapsel 1197a

Andreas Gundelfinger

Rechenmeister in Nürnberg und München.

† 1605

Lebenslauf:

Johann Faulhaber (1580-1635) erinnerte sich in einem Brief von 1605 an einen Jörg Gundelfinger aus München, der ein algebraisches Problem "zu Nürnberg uff dem Markht auffgeschlagen" haben soll. Nur zwei Wochen später schrieb er: "Der Andreas Gundelfinger Schuolhalter zu München (welcher Herrs Exempel soll aufgeschlagen haben) solle Todts verschieden sein, deß Seel Gott gnedig sey". Ob es sich hierbei um Brüder handelt, ist ungeklärt.

Stephan Brechtel schrieb am 07.05.1568 an den Frankfurter Ratsschreiber Pangratz Jacob, dass "Endresen Gundelfingern" aus Ulm stamme und ihm treu gedient habe, jetzt aber nach Frankfurt gehen wollte um dort eine Schulstelle zu erhalten. Doch heiratete Andreas Gundelfinger im Mai 1569 in Nürnberg, im folgenden August wurde er als Bürger der Stadt Nürnberg aufgenommen. Am 28. Juli 1580 wird seine Ehefrau Anna beerdigt, die als Ehefrau des Rechenmeisters Andreas Gundelfinger "am Allten Milchmarckt" (dem heutigen Albrecht-Dürer-Platz) bezeichnet wird. Im Bestattungseintrag von St. Sebald steht eindeutig Anna, nicht Susanna. Eine bei Grieb behauptete zweite Ehe gab es deshalb nicht.

1582 trat er als Scribent in die Dienste des Herzogs Wilhelm I. von Bayern. 1590 bis 1596 soll er am Bau der Michaeliskirche in München beteiligt gewesen sein.

Wirken:

Laut A. Jaeger überrreichte Gundelfinger 1572 dem Rat eine "kunstvoll gearbeitete Uhr mit Schlagwerk" (Jaeger S. 165, übernommen von Grieb). Jaeger bezieht sich dabei auf einen Ratsverlass vom 01.12.1572: "Andre Gundelfinger umb sein verehrt werk der schlaguhren einen gulden schenken."

Nun findet sich aber in den Beständen des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg ein von Gundelfinger entworfener Einblattdruck, der die Nürnberger Läutetafeln nach der großen und kleinen Uhr zeigt (HB 25495 Kapsel 1197a). Der Ratsverlass dürfte sich auf diesen Druck beziehen. Er hat sich also nicht als Instrumentenbauer betätigt.

Die Stadtbibliothek Nürnberg (Signatur: Nor. H. 1324) besitzt ein auf 1575 datiertes Manuskript von Gundelfinger: Kurtze und grünntlich getrewe Anweisunge mancherley Form Teutscher und Lateinischer Handschriften. Hier bezeichnete er sich als "Büger und Arithmeticum zu Nürnberg". Im Druck ist diese Schrift entgegen der Behauptung bei Grieb nicht überliefert.

Literatur:

Links:

Danksagung: Wir danken Rudolf Haller für zahlreiche wertvolle Hinweise.

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