Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Michaelis, Johann David (1717-1791) (1705-1769)[1]
Empfänger Münchhausen, Gerlach Adolph von (1688-1770)[2]
Ort Göttingen
Datum 01. September 1754
Signatur Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 5747, Bl. 33r-34r
Transkription Hans Gaab, Fürth; doch siehe
Roth, Erwin: Briefe von und an Tobias Mayer. Marbach: Tobias-Mayer-Museum-Verein 1992, S. 43 (Auszüge).


Hochgebohrnern Freyherr,
 Gnädigster Herr,


Was Herr Best[3] befürchtet, das ist allerdings andem, Herr Mayer hat bereits in dem dritten Tomo[4] seine wichtige Erfindung der Longitudinis so deutlich entdeckt, daß sie nur wenige (jedoch einige Zusätze) gebraucht. Die Zusätze will er mir in 8 Tagen einliefern.

Dürfte ich daher es wagen, so würde unterthänigst anrathen, nach dem Vorschlage des Herrn Best die Bücher noch vor Abgang des Courriers durch Herrn Woltersdorf oder Laurentii[5] an Herrn Best zu senden, damit die Erfindung des Herrn Mayer, die unserer Universität und Societät ungemeine Ehre machen würde, nicht zu spät komme.

Hierbey bedaure ungemein, daß Euer Hochgeb. Excellenz

[Bl. 33v]
mit eben dieser Post eine sehr unangenehme Nachricht, Herrn Mayer betreffend vernehmen werden. Er hat abermahl einen Ruff nach Berlin, und ist völlig gesonnen ihn anzunehmen. Ich habe ihn, da ich gestern davon hörte, bereits die Argumente in contrarium, sonderlich die unerträgliche Sklaverey[?] unter dem Herrn von Maupertuis[6], vorgestellet: alles aber, so ich erhalten habe, ist daß er mir sein unterthänigstes Schreiben an Ewer Excellenz gezeiget, und auf mein Bitten versprochen hat, eine allzu decidirte Bitte um die Dimission, bey welcher wie ich fürchte Ewer Excellenz par Point d'honneur nicht anders gekonnt hätten, als sie ihm ertheilen, mit modificirteren Ausdrücken verwechseln.

An dem Manne ist der Societät sehr gelegen: überhaupt aber glaube ich auch nicht, daß die Universität jemahls seines gleichen wider bekommt, wenn sie ihn einmahl verlohren hat. Er ist ein wahrer Mathematicus, und kein bloßer Empiricus wie der seel. Penther, der nur im kleinen brauchbare Leute zog, und nicht im großen: dabey weiß er seine Sachen brauchbarer zu machen, als Segner, dem es sonst an bloß Speculativischer Mathesi nicht fehlet: und hat eine Gabe, sich schriftlich, sonderlich im Lateinischen, so auszudrücken, und so begreifflich und in der That zir-

[Bl. 34r]
lich zu schreiben, als ich von keinem jetzigen Mathematico weiß. Wird seine Erfindung der longitudinis in England approbirt, so würde der Verlust der Ehre unersetzlich seyn, wenn unsere Universität ihn verlöre.

Ich nehme mir die unterthänigste Freyheit, in beyliegendem P.M.[7] um dessen Annulirung demüthigst bitte, wie ich dächte, daß er hier zu behalten stünde. Sie kommen auf keine Weiß von ihm her: Bin ich darin zu voreilig, daß ich solches ohne Gnädigsten Befehl thuhe, so bitte demüthigst um Verzeihung. Der Eifer, die hiesige Societät blühend zu sehen, beweget mich dazu: der ich mit tieffster Devenerartion beharre,

Hochgebohrner Freyherr,
Gnädigster Herr,
Ewr. Hochgebohrne Excellenz

Goettingen den 1. Sept.
    1754.

unterthänigster Diener  
Johann David Michaelis




Fußnoten

  1. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
  2. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
  3. William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
  4. Im zweiten Band der Commentarii Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis finden sich Mayers Novae tabulae Motuum Solis et Lunae (S. 383-430); im dritten Band seine Tabularum Luminarium (S. 383-430).
  5. Wolterdorf und Laurenti waren Agenten in britischen Diensten in Rotterdam bzw. Denhaag.
  6. Der französische Mathematiker Pierre Louis Moreau de Maupertius (1698-1759) war seit 1746 Präsident der Berliner Akademie der Wissenschaften.
  7. Vermuthlich das P.M. unter dem Brief von Münchhausen an Mayer vom 02.09.1752.
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