Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Regierung in Hannover
Empfänger Mayer, Tobias (1723-1762)
Ort Hannover
Datum 04. September 1754
Signatur Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 5747, Bl. 20r-22r [Entwurf]
Transkription Hans Gaab, Fürth; doch siehe
Roth, Erwin: Briefe von und an Tobias Mayer. Marbach: Tobias-Mayer-Museum-Verein 1992, S. 42.


d. 4. Sept. 1754

    an
Hl Prof. Mayer zu
  Gottingen.

PM

Es hat Ihro des Hl. Cammer-Praes. Excellenz[1] woll nichts unerwarteters seÿn können, als daß der Hl. Professor, da sie nur eine gar kurtze Zeit beÿ Uns gewesen, nicht ohne Kosten beruffen worden, und Zeit ihres Göttingischen Auffenthalts gewis nichts unangehmes erfahren haben, vielmehr ihre Umstände durch Übertragung einer ordentl. Stelle beÿ der Societät von freÿen Stücken verbeßert worden, und man ihre Einnahme zu vermehren ferner in Begriff ist, sich durch frembde Reitzungen erreichen laßen, eine Neigung zu einer auswärtigen Vocation zu bezeigen. Ehe also der

[Bl. 20v]
Hl. Professor in ihrer Verbindung weiter gehen, laßen Ihro Excellenz, als ein wahrer Freund, dieselbe nicht nur ersuchen, daß Ihnen gefallig seÿn möge, eines jeden Orts Umstände, Verfaßung, und Verbindlichkeiten woll zu erwägen, und solche mit denen Gottingischen zu vergleichen, damit die genommene Entschließung nicht in folgenden Zeiten bereuet werden möge, sonder es finden auch hochdieselbe zu bemerken sich genöthiget, wie Sie schwerlig glauben, daß Ihro Kgl: Majestät dero Dimission bewilligen werden.

So wenig es sonsten, denen hiesigen Principii gemäs, die Hhl. Professores, oder andere Bediente in perpetuum verbindl. zu machen,

[Bl. 21r]
so leichte werden der Hl. Prof. erkennen, daß in Ansehung ihrer besondere Umstände eintreten. Denn nicht zu wiederhohlen, was im Anfange darzu berühret worden, so hat man mit großen Kosten, guten Theils in Absicht ihrer Persohn das Gott. Observatorium errichtet und auf astronomische Instrumente soviel verwendet, daß Ihro kgl. M. es ohne Zweifel höchst ungnädig nehmen würden, wenn der Hl. Prof., ohne gegebene Ursache, Gottingen wiederum verlaßen würden, ehe Sie mahl die geringste observation darauf angestellet.

Damit aber der Hl. Professor desto lieber den auswartigen

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Antrag abzulehnen sich besagen finden, so wird Ihnen hiemit nicht nur eine Besoldungs Zulage von hundert rtl. a dato offeriret, sondern auch versprochen, sobald die Gelegenheit, welche man nicht weit entfernt siehet, eintreten wird, ihre Gehalt noch ferner zu vermehren. Es ist hier nechts die größte Hoffnung, daß sich das honorarium der Societät durch ihre eigene Arbeit und vermittelst der gelehrten Anzeigen vermehren, folglich auch die Einnahme der Mitt Glieder sich verbeßern wird; wie man dann auch keine große Schwürigkeit siehet, daß nach angestellten Observationen auf dem dortigen

[Bl. 22r]
Observatorio, durch Ausrechnung in denen Calendern dem Hl. Professori, wenn Ihme damit gedient wäre, ein Neben Verdienst könne zu gewandt werden. Ein mehrers wird der Hl. Prof. Michaelis[2] mündlich vorstellen, und zweifelt man nicht, daß dieselben seinem wollgemeinten Consiliis Beÿfall geben werden.

Hann. d.




Fußnoten

  1. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
  2. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
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