Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Mayer, Tobias (1723-1762)
Empfänger Münchhausen, Gerlach Adolph von (1688-1770)[1]
Ort Göttingen
Datum 12. Dezember 1754
Signatur Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 7255, Bl. 8r-9v
Transkription Hans Gaab, Fürth

Hochgebohrner Freyherr,
    Gnädigster Herr,



Da Ew. Hochgebohrnen Excellenz die Vorschläge der Engländer wegen eines Mural-Quadranten für das hiesige Observatorium zu genehmigen und ein solches Instrument dem zuvor im Project gewesenen Octanten vorzuziehen gnädigst geruhet haben, wodurch dem Observatorio ein so merklicher Vortheil zuwächset; So gibt mir solches fördersamst Anlaß, meine freudigste Dankbegierde dafür in tiefster Unterthänigkeit an den Tag zu legen.

Es finden sich bey der von dem Künstler Bird[2]

[Bl. 8v]
nach angeschlossener fünffachen Beylage gemachten Einrichtung, die ich mit der Lage des Orts selbst zusammen gehalten habe, keine Schwierigkeiten, sondern alles auf das beste und practicableste angegeben. Das einzige, was noch einiges Bedenken macht, ist die von dem Künstler in dem andern Erker des Observatorii angemerkte zweyte Befestigung des Quadranten, weil an diesen Ort ein anders Instrument definirt ist, und bereits vor einigen Wochen daselbst aufgestellet worden, welches den Raum fast gänzlich einnimmt. Doch ist es nicht ganz unmöglich, dieser Unbequemlichkeit abzuhelfen.

Was hiernächst die Verminderung der allzu großen Kosten betrifft, die die Verfertigung eines solchen Mural-Quadranten in England machen würde, So leidet die Structur dieses Instruments selbst keine Veränderung, wodurch einiges an den Kosten zu erspahren wäre. Es könnten aber, im fall kein ander Mittel möglich wäre, entweder einige von den andern Instrumenten, als etwan einige Transitoria, Micrometra und

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dergleichen, welche, ob sie schon nützlich, gleichwohl eher entbehrlich sind als der Quadrant, inzwischen unterbleiben und die dazu bestimmten Kosten auf den als denn in England zu verfertigenden Quadranten verwendet werden. Odes es würde auch der Quadrant in Deutschland, wiewohl nirgend anders als hier in Göttingen selbst, wo ich stets dabey seyn könnte, verfertiget werden können. Da der Preiß ohne Zweifel, wie ich auch von dem Rathmann Campe[3], der sich dieser Arbeit vielleicht unterziehen könnte, vernommen, viel mäßiger seyn würde. Weil aber erstgemeldter hiesiger Künstler wegen allerley Nebenarbeit bisher allzu langsam in Verfertigung der ihm übergebene andern Instrumenten gewesen; so scheinet nöthig zu seyn, daß wenn derselbe den Quadranten übernehmen wollte, er durch einen Contract verbunden würde, einige Leute, die ihn an die Hand gehen beständig darauf zu halten und Caution leiste, daß das Instrument binner einer gewissen Zeit, als etwan auf Michaelis künftigen Jahres, geliefert würde. Diese beyden Mittel aber sind nicht ohne Schwierigkeiten; denn bey dem letztern stehet dahin, ob der hiesige Künstler, der sich dießfalls Bedenken will, eine solche strenge Verbindung eingehen werde, auch ob derselbe die

[Bl. 9v]
Geschicklichkeit habe, ein so componirtes Instrument mit aller gehörigen accuratesse, als welche die Hauptsache ist, zu machen; bey dem erstern aber, ob das an dem andern Instrumenten zu ersparende Quantum hinreichend seyn könne, das was für den Quadranten über die dazu bestimmten 8 bis 900 rt. in England verlangt wird, zu bestreiten; und würde mir hierzu nöthig seyn, den Anschlag und das Verzeichniß der Instrumente, davon etwan unter denen zu dem Observatorio gehörigen Actis, die bey dem Prof. Segner[4] seither gelegen, eine Copie befindlich ist, in Händen zu haben.

Da auch bereits einiges, was bey den hiesigen Arbeitsleuten für das Observatorium unter Handen gewesen, theils fertig ist, theils nächstens geliefert werden wird, und mir auch einige Conti von denselben behändiget worden; So habe solches Ew. Excellenz unterthänigst berichten und um gnädigste Befehle bitten sollen, wie es mit Bezahlung dieser kleinen Ausgaben, die sich zusammen auf 40 rtl belaufen möchten, zu halten sey.

Mit meinem Hauskauf ist es noch nicht zur völligen Richtigkeit gekommen und der Contract annoch ungeschlossen, weil ich die von Ew. Excellenz mir gnädigst verheißene Hülfe zur Erhaltung nöthiger Sicherheit erwarten will; der ich in tiefster Devotion verharre

Hochgebohrner Freyherr
Gnädigster Herr
Ew. Hochgebohrnen Excellenz

Göttingen d. 12. Dembr.
    1754.

unterthänigster
T. Mayer.  



Fußnoten

  1. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
  2. John Bird (1709-1776) war ein bekannter englischer Hersteller wissenschaftlicher Instrumente.
  3. Franz Lebrecht Kampe (um 1712-1785) fertigte einige Instrumente für die Göttinger Sternwarte an. Kampe war seit 1740 Göttinger Senator. Von ihm stammt ein kleiner Quadrant und ein Azimutalquadrant.
    • Behrendsen, Otto (1850-1921): Zur Geschichte der Entwicklung der mechanischen Kunst. Deutsche Mechaniker-Zeitung, 1. Juni 1907/11, S. 101-107, hier S. 101-104
    • Poppe, Johann Heinrich Moritz (16.01.1776-21.02.1854): Franz Leberecht Kampe, weil. Senator, Bauherr und Mechanikus zu Göttingen. Neues hannoversches Magazin 9 (1799), Sp. 501-512.
  4. Johann Andreas Segner (09.10.1704-05.10.1777) war seit 1751 für die Errichtung der Universitätssternwarte in Göttingen zuständig. 1755 wechselte er nach Halle.
    Zu Segner und seiner Rolle beim Bau der Sternwarte siehe:
    • Rab, Irén: Die Rolle von Johann Andreas Segner (1704-1777) bei der Errichtung der ersten Göttinger Sternwarte. In: Lengyel, Zsolt K. (Hrsg.): Ungarn-Jahrbuch. Zeitschrift für interdisziplinäre Hungarologie 37, 2021. Regensburg: Friedrich Pustet 2022, S. 41-63


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