Briefwechsel Tobias Mayer
| Kurzinformation zum Brief | |
| Autor | Best, William Philip[1] |
| Empfänger | Michaelis, Johann David (1717-1791)[2] |
| Ort | London |
| Datum | 11. Februar 1755 |
| Signatur | SUB Göttingen: Ms.
Mich. 320 Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: NLA HA Hann. 92. Nr. 1028, Bl. 67-71 [Entwurf]. |
| Transkription | Buhle, Johann Gottlieb: Literarischer Briefwechsel von Johann David Michaelis, Band 1. Leipzig: Weidmann 1794, S. 279-283 (Brief 73) |
| Anmerkungen | Hans Gaab, Fürth |
London, den 11. Febr. 1754.
Ewr. habe ich i meinem letztern Schreiben die Ursachen angezeigt, warum ich die bewußte Sollicitation für den Hrn. Prof. Mayer zu der Zeit nicht sofort habe anfangen können, dabey aber auch zugleich gemeldet, daß ich solches in der Zuversicht, es werde das mir damals zugesandte versiegelte Päckchen alle und jede wegen der Mayerschen Erfindung verlangte Nachrichten enthalten, nächstens ins Werk zu richten verhoffe. Nachdem ich nun auf dieses mein Schreiben keine Antwort bekommen, so habe ich endlich am 20ten vorigen Monats beregte Sollicitation dergestalt wirklich zu Stande gebracht, daß ich jenes versiegelte Päckchen, und das vorhin erhaltene Manuscript des Hrn. Prof. Mayer dem Lord Anson[3] mit copeylich nebengehender in meinem Namen abgefaßter Petition übergeben, als welcher Modus mir von denen, die die hiesige Art in dergleichen Fällen zu sollicitiren wissen, angerathen worden. Es hat auch ermeldter Lord Anson beregte Schriften dem Königl. Astronomen zu Greenwich, Hrn. Dr. Bradley[4], bereits mit der Aufgabe zugestellt, solche gehörig zu untersuchen, und darüber sein Gutachten zu erstatten. Ich vernehme aber wider alles Vermuthen, daß das vorerwähnte versiegelt übersandte Päckchen nicht nur die Principien nicht enthält, wornach die Mondstabellen ausgerechnet sind, und welche doch ausdrücklich verlangt worden; sondern daß auch Herr Mayer, darinn abermals von andern noch näher ausgerechneten Mondstabellen rede. Bey diesen Umständen ist mir noch zur Zeit nicht weiteres zur Antwort worden, als, daß der Hr. Prof. Mayer zuvörderst seine letztern, und am nähesten herausgebrachten Mondstabellen übersenden, und hiernächst die Principien, wornach deren Ausrechnung geschehen, allesamt anzeigen müsse; wie denn auch drittens die Nothdurft erfordere, das im Risse angegebne Instrument behuf der anzustellenden Observationen zur See in natura einzuschicken, und solchergestalt die ganze Erfindung treulich zu entdecken, damit man im Stande seyn möge, davon gründlich und mit völliger Gewißheit zu urtheilen. Es wird nicht nöthig seyn, mit Einschickung dieser Nachrichten zu eilen, indem ohnehin einestheils der Hr. Dr. Bradley die Untersuchung anjetzo nicht vornehmen kann, weil er sich bis gegen Pfingsten in Oxford aufhalten, und seiner daselbst habenden Profession obliegen muß; anderntheils aber auch die Admiralität wegen der jetzo vorseyenden Seerüstung nicht im Stande ist, die erforderlichen Experimente anstellen zu lassen; mithin behält der Hr. Prof. Mayer bis künftige Pfingsten völlige Zeit. Ich hoffe aber auch, daß ich alsdenn alles und jedes, so wie es verlangt worden, erhalten werde, und ich kann inzwischen versichern, daß dasjenige, was dieser Sache halber bisher communicirt worden, bey dem Grafen von Macclesfield[5], und dem oberwähnten Hrn. Dr. Bradley, ausser welchen beyden Personen es sonst Niemand zu sehen bekommt, ganz sicher und wohl verwahrt ist. Ich muß diesem noch hinzufügen, daß der Hr. Graf von Macclesfield mir dieser Tagen versichert hat, daß die Mayerschen Mondstabellen zwar nicht völlig so accurat zuträfen, wie es der Hr. Professor selbst angegeben; daß jedoch, wenn er noch nähere gemacht haben, und in selbigen die Differenz nicht größer seyn sollte, solches schon hinreichen würde. Ich verharre mit aller Hochachtung
W. Best
Beylage.
Mylord,
There is at His Majesty's University in Göttingen
in Germany one Professor Mayer, who [is]
thinking, that he has found out the Longitude
at Sea, intends to present his Discovery here
for a further Inquiry and Trial, and not doubting,
but it will be found just and applicable,
he hopes, to be intitled to the Reward granted
by an Act of Parliament in the 12th of
Queen Ann's, call'd an Act for providing a
publick Reward to such Person or Persons, as
shall discover the Longitude at Sea. As I am
ordered, to sollicit for the said Professor, I hereby
deliver his Discovery, consisting:
1) in his new invented tables of the Moon, sealed up, and
2) in a Manuscript, shewing the Method for finding out the Longitude at Sea after the said tables. I beg leave, humbly to intreat the favour, that Your Lordship may please, to have the same examined by a Board of Longitude, and to let me know her after, how it is found. I am with all respect and submission
Mylord,
Yor Lordship's
most humble et most
obedient Servant
W. Best
Fußnoten
- ↑ William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
- ↑ Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
- ↑ Georg Anson, 1. Baron Anson (1697-1762) war erster Lord der Amiralität.
- ↑ James Bradley (1692-1762) war seit 1742 in Nachfolge von Edmund Halley (1656-1742) erster Königlicher Astronom und Direktor der Sternwarte in Greenwich.
- ↑ George Parker, 2. Earl of Macclesfield (1697-1764), war von 1752 bis 1764 Präsident der Royal Society.
