Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief  
Autor Best, William Philip[1]
Empfänger Michaelis, Johann David (1717-1791)[2]
Ort London
Datum 6. Mai 1755
Signatur SUB Göttingen: Ms. Mich. 320
Transkription Buhle, Johann Gottlieb: Literarischer Briefwechsel von Johann David Michaelis, Band 1. Leipzig: Weidmann 1794, S. 285-286 (Brief 75)
Anmerkungen Hans Gaab, Fürth

London, den 6. May 1755.


Ewr. habe ich gleichfalls viele Entschuldigung zu machen, daß ich Dero geehrtes Schreiben vom 14ten vorigen Monats nicht eher beantwortet habe. Die Hannoversche Reise hat mich daran behindert. Inzwischen habe ich nicht ermangelt, von dem mir zugesandten Schreiben des Hrn. Prof. Mayer Gebrauch zu machen, mithin solches hiedurch vermelden, und zugleich bitten wollen, mir die von Ihm versprochene fernern Nachrichten nunmehro so bald als möglich zukommen zu lassen, indem der Herr Dr. Bradley[3] diese Pfingsten ohnfehlbar wieder auf seinem Observatorio zu Greenwich eintreffen wird. Der Hr. Graf von Macclesfield[4] hat bey dieser Gelegenheit wiederum mit vielem Ruhme von des Hrn. Prof. Mayer neu erfundenen Mondstabellen gesprochen, und nur dieses zu erinnern gefunden, daß solche bereits der ganzen Welt bekannt gemacht wären. In Ansehung des Instruments zu Anstellung der Observationen zur See äussert er zwar einigen Zweifel, ob solches hinlänglich seyn dürfte, immittelst suspendirt er darüber sein Urtheil, bis die Probe gemacht worden. Ueberhaupt aber benimmt er mir alle Furcht, daß Hr. Mayer, als ein Ausländer, nicht Gunst genug finden mögte, wie er mir denn unter den Worten: Tros Rutulusve sit,[5] versichert hat, daß ihm alle Justiz wiederfahren würde , und da man sich von dem Hrn. Bradley ein gleiches versprechen kann, der ausser seiner Geschicklichkeit auch den Ruhm eines honetten Mannes führt, welchen sein geistlicher Stand ohnedem supponirt; also bitte ich über diesen Punct geruhig zu seyn. Ich verharre mit aller Hochachtung auf das vollkommenste.

W. Best    



Fußnoten

  1. William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
  2. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
  3. James Bradley (1692-1762) war seit 1742 in Nachfolge von Edmund Halley (1656-1742) erster Königlicher Astronom und Direktor der Sternwarte in Greenwich.
  4. George Parker, 2. Earl of Macclesfield (1697-1764), war von 1752 bis 1764 Präsident der Royal Society.
  5. Sei es ein Trojaner oder Rutuler. Die Rutuler ware ein kleines Volk an der Küste von Latium. Best bezieht sich hier auf ein Zitat aus Vergils Aeneis 10, 108.


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