Briefwechsel Tobias Mayer
| Kurzinformation zum Brief | Zum
Original Zum Pro Memoria |
| Autor | Best, William Philip[1] |
| Empfänger | Münchhausen, Gerlach Adolph von (1688-1770)[2] |
| Ort | London |
| Datum | 11. Juli 1755 |
| Signatur | Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 7255, Bl. 21r-25r |
| Transkription | Hans Gaab, Fürth |
Hochwohlgebohrner Herr
Hochgebietender Herr Geheimter Raht
und Cammer Praesident
Gnädigster Herr
Unter Ewl. Excellentz Couvert habe ich bey dem mit voriger Post allhier angekommenen Courier den 4.ten Tomum der Göttingischen Societäts Commentarien zu recht
[Bl. 23v]
erhalten. Ich lege also dafür meine
submisseste Danksagung hiemit dar
und nehme mir zugleich die Freyheit,
bey dem heute dorthin abgehenden
Messages die gewöhnlichen Magazine
vom verfloßenen Monaht anliegend
unterthänigst einzureichen. Als
ich auch befürchte, daß ich mich wegen
Übersendung des Quadranten für
das Göttingische Observatorium[3]
[Bl. 24r]
bislang noch nicht umständlich genug
expliciret habe, und inzwischen bey dieser
Sache nicht leicht zu viele Vorsicht gebrauchet
werden kan; So erkühne ich
mich, darüber vermittelst beygehenden
unterthänigsten Pro Mem: anderweit
Bericht zu erstatten, und hoffe,
daß auf diese Weise alle Besorgniß
gehoben werden könne. Ich gedenke
übrigens noch instehenden Dienstag
[Bl. 25r]
über 8 tage von hier abzureisen, mithin
bald das Glück zu haben, Ewl. Excellentz
mich persönlich unterthänigst
darzustellen, und bis dahin empfehle
ich mich zu beharrlichen Gnaden in
derjenigen ehrfurchtsvollen Devotion,
womit ich lebens lang auf das vollkommenste bestehe
Ewl. Excellentz
Londen
d. 11ten Julii
1755.
unterthänig gehorsamster
Diener
W Best.
[Bl. 21r]
Unterthänigstes Pro Memoria
Nachdem der für das Göttingische Observatorium allhier bestelte Quadrant nunmehro soweit avanciret ist, daß er in ohngefehr 3 Wochen völlig fertig seyn wird, so habe ich bey meiner bevorstehenden Abreise von hier die nöhtige Veranstaltung dahin gemachet, daß derselbe mit einem der Erwartung nach um eben solche Zeit auf Bremen abgehenden Schiffe übersandt werde, und wird dabeÿ alle menschmögliche Vorsicht gebrauchet, und die Einbarquirung von dem Künstler selbst dirigiret werden. Ich ermangle auch nicht, dem Agenten Trehsen in Bremen zu schreiben, daß er gleich nach der Ankunft den weiteren transport zu Waßer bis Münden besorgen, und in sonderheit dahin sehen möge, daß bey der
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Umladung aus einem Schiffe in das andere
mit äußerster Sorgfalt verfahren werde.
Wie es demnach nur darauf ankommen wird,
daß dieses kostbahre Instrument auch von
letzterem Orte nach Göttingen ohne allen
zu besorgenden Schade sicher gebracht
werden möge; Also muß ich hiemit unterthänigst
anzeigen, daß nach des Künstlers Meinung
der transport per Axse[?] zu gefährlich
seyn, mithin die Nohtdurfft erfordern dürffte,
beregtes Instrument tragen zu laßen,
weilen bey tiefen hohen Wegen der Wagen
gar leicht einen Schlag bekommen oder
gar zerbrechen, und auf solche Weise an
der so nöthigen Accuratesse vieles abgehe
könne. Zu Ewl. Excellentz gnädigem
Gutfinden und behuefiger weiterer
[Bl. 22r]
Verfügung verstelle ich also in geziemenden
Respect, ob etwa die transportierung von Münden
bis Göttingen durch Trag Maul Thiere geschehen könne,
und habe zu dem Ende submissest melden
sollen, daß der gantze Apparatus in dreyen
Kasten bestehen wird, einem mit dem Quadranten
selbst, den andern mit dem tubo,
und den 3ten mit denen eisern Gerätschafften
des Instruments, welche letztern jedoch
keiner außerordentlichen Sorgfalt bedürffen.
Wie mit Auspack und Aufhängung
des Quadranten zu verfahren,
darüber wird der Künstler einen umständliche
Instruction beylegen, und ist vor allen
dingen nur anzumerken, daß das Instrument
einmahlen bey sich selbst
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aufzuheben oder zu bewegen sey, sondern es
ist zu dem Ende von dem Künstler eine besondere
mit Schrauben befestigte Machine angebracht,
mit welcher der Quadrant auch vor das
zu künfftige vor einer Mauer zur andern um
gehangen werden muß. Über die Bonität
des Instruments wird der Königl. Astronomus
Hl. Dr. Bradley[4] nach angestellter Untersuchung
mir sein schriftliches Zeugniß demnächst zuschicken.
Ich habe aber auch schon jetzo, so viel man
sehen können, von verschiedenen die gute Hoffnung
erhalten, daß daßelbe an Accuratesse
keinem andern etwas nachgeben werde, und
in Ansehung der Gläser die Versicherung,
daß solche vielleicht noch einmahlen beßer
gemachet worden.
Londen
d. 11ten Julii
1755.
W Best.
Fußnoten
- ↑ William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
- ↑ Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
- ↑ Der bekannte Instrumentenhersteller John Bird (1709-1776) hat den Quadranten für das Göttinger Observatorium 1755 verfertigt.
- ↑ James Bradley (1692-1762) war seit 1742 in Nachfolge von Edmund Halley (1656-1742) erster Königlicher Astronom und Direktor der Sternwarte in Greenwich.
