Briefwechsel Tobias Mayer
| Kurzinformation zum Brief | Zum Original |
| Autor | Michaelis, Johann David (1717-1791)[1] |
| Empfänger | Best, William Philip[2] |
| Ort | Göttingen |
| Datum | 25. Februar 1762 |
| Signatur | Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: Hann. 92, Nr. 1028, Bl. 54r-55v |
| Transkription | Hans Gaab, Fürth; doch vgl. auch: Roth, Erwin: Briefe von und an Tobias Mayer. Marbach: Tobias-Mayer-Museum-Verein 1992, S. 70-71 (Transkription aber vermischt mit dem Brief vom 21.02.1762 an Best) |
Wohlgebohrner Herr Secretaire,
Hochgeehrtester Herr Vetter
Nachdem mein Schreiben vom 22sten schon abgegangen war, so erhalte ich Nachrichten, welche Ewr Wohlgebohrnen zu melden mir die Freyheit nehmen muß. Zu beßerer Verstehung der einen aber erwähne noch zum voraus, daß auf die Erfindung der longitudines 3 oder 4 Preise gesetzt sind, von 20000, von 15000, von 10000, und von 5000 l. und daß Herr Mayer, wenn es nach Verdienst gehet, eine gar wahrscheinliche Hoffnung hegen konnte, den von 10000 l. zu erhalten. So urtheilen mathematici, welche die Sache beßer verstehen als ich, g. E. Herr Prof. Kästner[3].
Nun hatte dieser letzt genannte auf mein Verlangen ihn noch einige fragen schriftlich zustellen müßen, wie ich mich in gewißen dingen verhalten sollte.
[Bl. 54v]
Zu diesen hat er seiner Frauen Antworten dictirt,
darauf aber noch ohne einige in den fragen gegebene
Veranlaßung von freyen Stücken dazu dictirt: wenn
er 10000 l. als einen Preis erhielte, so sollten
Ewr. Wohlgeb. 1000 davon bekommen, als ein
Zeichen seiner Dankbarkeit für die angewandte
Bemühung. Die Frau Meyern hat mir disen Zettel
am 22sten Febr. Abends zugestellet, damit ich ihn
aufbewahren möchte.
Das zweite ist, daß an Beschleunigung der Sache den Erben des seel. Mannes sehr gelegen seyn dürfte. Ich habe mir seine Umstände gantz anders vorgestellet, als ich sie jezt erfahre, da die Frau Meyern in eben dem Schreiben, darin sie mir den oberwähnten Zettel zusandte, mich bat, sie den folgenden Tag zu besuchen. Hier erfuhr ich folgendes: der sel. Mayer nebst seiner Frauen waren von ganz armen Eltern, alles was sie erübriget haben, bestehet
[JBl. 55r]
in 1000 rthlrn. Diese stecken in einem Hause, auf welches sie
noch 1200 rthlr schuldig ist. Da nun dises Haus nicht allein
gar nichts einbringt, sondern noch dazu alle Tag
wenigstens ¼ rthlr. an Licht für die Einquartierung kostet:
so ist die Folge, daß sie nebst ihren 4 Kindern, sich in
die aller äußerste Armuth versenkt siehet. Ein kläglich
Schicksaal für die Erben eines Mannes, deßen gleichen
Deutschland in der Mathesi ohne Zweifel nicht hat, wenn
ich das Genie mit in Anschlag bringe, so die Mathesin
nützlich macht. Wären nicht die Cassen des hisigen
Landes durch den Krieg erschöpft, so glaube ich, daß der
Herrn Cammer-Praesidenten Excellenz[4] Mittel
finden würden, den Erben eines so wahrhaftig großen
Mannes guthes zu thun. Allein da bey den jezigen Umständen
ich nicht einmahl wage, dis zu bitten; so entstehet
die Frage, ob das Admiralitäts Collegium
nicht zu bewegen stehe, den Kindern dieses verdienten
Mannes bis auf die Zeit, da der Preis zu erkannt
[Bl. 55v]
wird, eine vom künftigen Preis wieder abzuziehende
Pension von 50 l. (je mehr je beßer) zu geben? Sollten
Ewr. Wohlgeb. dis vor faisable halten, und etwan
gut finden, daß ich an Herrn Bradley[5] schreibe
(an den vorerst disen Einschluß gütigst zu bestellen
bitte) so bitte mir deshalb nur einen Wink aus.
Zugleich nehme mir die Freyheit, zu melden, daß mein Haus in der Nacht zwischen dem 23sten und 24sten Febr. mit einem Töchterchen vermehrt ist: und daß Mutter und Tochter sich wol befinden.
Mit größester Hochachtung beharre
Ewr. Wohlgebohrnen
P. S. Ich glaube Herr Bradley
wohne zu Greenwich,
ich weiß es aber nicht gewiß
Gött. d. 25.
Febr. 1762.
gehorsamster Diener
Michaelis
Fußnoten
- ↑ Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
- ↑ William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
- ↑ Abraham Gotthelf Kästner (1719-1800) war seit 1756 ordentlicher Professor der Naturlehre und Geometrie in Göttingen.
- ↑ Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
- ↑ James Bradley (1692-1762) war seit 1742 in Nachfolge von Edmund Halley (1656-1742) erster Königlicher Astronom und Direktor der Sternwarte in Greenwich.
