Johann Praetorius

Professor für Mathematik in Altdorf, bedeutender Instrumentenbauer und Astronom.

* 1537 in Joachimsthal (heute: Jáchymov nördlich von Karlsbad in der tschechischen Republik) ; †27.10.1616 in Altdorf

Lebenslauf:

Ab 1557 studierte Johann Praetorius Philosophie und Mathematik in Wittenberg. Nach dem Erwerb des Magistertitels hielt er sich von 1562 bis ca. 1569 in Nürnberg auf, wo er für die Herstellung mathematischer und astronomischer Instrumente bekannt wurde. 1569 verließ er Nürnberg, angeblich in Richtung Prag und Wien. Noch in diesem Jahre lernte er den kaiserlichen Rat Andreas Dudith (1533-1589) in Krakau kennen, wo er auf Rheticus (1514-1574) traf. Im folgenden Jahr folgte er dem Ruf an die Universität Wittenberg als Professor für höhere Mathematik, musste aber nach dem Sturz der Philippisten in Sachsen seinen Lehrstuhl räumen. Durch Vermittlung seines Bruders Paul (?-1584), der Rektor der Sebalder Schule in Nürnberg war, erhielt er 1576 den Mathematiklehrstuhl in Altdorf, wo er bis zu seinem Lebensende 1616 blieb.

Wirken:

Im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg haben sich die folgenden Instrumente von Praetorius erhalten: Eine Büchsensonnenuhr von 1566, je ein Himmels- und Erdglobus von 1566, ein Astrolab von 1568, ein Sonnenquadrant von 1571, ein Torquetum von 1568 und eine Würfelsonnenuhr von 1562. Sie sind alle im Behaimkatalog von 1992 abgebildet. Seine besondere Vorliebe galt Sonnenuhren, von ihm dürften die Sonnenuhren am Altdorfer Universitätsgebäude stammen. Er versuchte den Jakobsstab und den Quadranten zu verbessern. Umstritten ist, ob er in der Geodäsie tatsächlich der Erfinder des Messtisches ist, mit dem an Ort und Stelle maßstabsgetreue Landkarten gezeichnet werden konnten.

Dass Praetorius äusserst praktisch veranlagt war, zeigt zum Einen, dass Altdorf im die Einrichtung der ersten Wasserleitung verdankt, mit der Wasser von Pühlheim nordöstlich von Altdorf in die Stadt geleitet wurde. Zum Anderen entdeckte er einen wesentlich kürzeren Weg von Altdorf nach Nürnberg: War man vorher von Altdorf über Lauf nach Nürnberg gelaufen, führte der neue Weg über Birnthon und Fischbach.

Neben dem Abhalten von Vorlesungen zur Astronomie war seine Aufgabe das Schreiben von Kalendern und Prognostiken. Kalender verfasste Praetorius Jahr für Jahr bis zu seinem Tod, seine Prognostiken fielen allerdings sehr kurz aus. Ab 1585 ließ er sie wohl ganz weg, obzwar er vom Nürnberger Rat aufgefordert wurde, sie weiterhin zu verfassen. Er lehnte die Astrologie ab, bezog allerdings nie öffentlich Stellung dazu.

Abgesehen von seinen Kalendern kamen zu seinen Lebzeiten nur zwei Schriften von ihm heraus: 1578 nahm er zum Kometen des Vorjahres Stellung und 1598 veröffentlichte er über Sehnenvierecke. Daneben vererbte er seinem Nachfolger Petrus Saxonius (1591-1625) zahlreiche Manuskripte, die dieser weiter anreicherte. Sie befinden sich in den Bibliotheken von Schweinfurt, Erlangen und München und wurden bis heute nicht systematisch ausgewertet. Aus den Manuskripten geht aber hervor, dass sich Praetorius mit einer Vielzahl von geometrischen und astronomischen Problemen befasste.

Wie viele Wittenberger Astronomen lehnte Praetorius zwar das heliozentrische Weltsystem ab, bewunderte aber die mathematischen Leistungen des Nicolaus Copernicus (1473-1543). Er kannte das System von Tycho Brahe (1546-1601), das „nit allenthalben zuverwerffen“ sei, doch lehnte er es ebenfalls ab. Sein Ziel war, die Verbesserungen, die Copernicus erzielt hatte, auf der Basis des ptolemäischen Weltbildes zu leisten. In seinen Vorlesungen stellte er des öfteren dem ptolemäisches Weltbild das heliozentrische gegenüber. Zofia Wardeska zog daraus den Schluss, dass Altdorf „ein Zentrum der astronomischen Forschung war und deswegen nicht ohne Bedeutung sein kann für die Ausbreitung der copernicanischen Theorie um die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert.“

Ausgewählte Werke:

Literatur:

Links:

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