Daniel Schwenter

Professor für Mathematik in Altdorf und bedeutender Geometer.

* 31.1.1585 in Nürnberg ; †19.1.1636 in Altdorf

Lebenslauf:

Nur zehn Jahre alt wurde Daniel Schwenter an die Schule nach Sulzbach geschickt, wo er neben Latein und Griechisch auch schon Hebräisch lernte. 1597 ließ sich Elias Hutter (1553-nach 1602) in Nürnberg nieder. Aus Sulzbach zurückgekehrt, konnte Schwenter bei ihm nicht nur seine Kenntnisse des Hebräischen vertiefen, sondern auch die syrische und chaldäische Sprache lernen. 1602 schrieb er sich in Altdorf ein, wo er sich neben dem Studium der alten Sprachen unter Johann Praetorius (1537-1616) auch der Mathematik widmete, mit der sich schon als Jugendlicher autodidaktisch beschäftigt hatte. Kaum 23 Jahre alt wurde er im Februar 1608 Professor für Hebräisch. 1610 nahm er die Magisterwürde an. Später erhielt er die Aufsicht über die Bibliothek und das Collegium. 1625 wurde er Professor für alle orientalischen Sprachen, 1628 schließlich kam die Professur für Mathematik hinzu, wobei er allerdings vermutlich schon ab 1608 mathematische Vorlesungen gehalten hatte. Schwenter starb im Januar 1636 unter tragischen Umständen: Seine Frau brachte zwei Kinder zur Welt, eines davon tot, das andere lebendig. Sie starb kurz nach der Geburt im Kindbett. Schwenter grämte sich darüber so, dass er ihr innerhalb weniger Stunden folgte. Nachfolger auf seinem Lehrstuhl für Mathematik wurde Abdias Trew (1597-1669).

Wirken:

Das gleichzeitige Interesse für Mathematik und Sprachen war damals nichts außergewöhnliches. Bei Schwenter ergänzten sich die beiden Gebiete sogar, da er sich für die Steganographie interessierte, ein der Kryptographie nahestehendes Wissensgebiet. Das Wort kommt aus dem Griechischen und bedeutet „verdecktes Schreiben“. Es geht also darum einem Empfänger z.B. durch Verwendung unsichtbarer Tinte eine verborgene Nachricht zukommen zu lassen. Die Suche nach einer Geheimsprache war magieverdächtig. Wohl deshalb brachte Schwenter seine erste Schrift zu diesem Thema 1610 anonym heraus: Steganologia & Steganographia Nova. Geheime Magische / Natuerliche Red vnd Schreibkunst, die einige Jahre später in erweiterter Form erschien. Es gilt als erstes größeres kryptografisches Handbuch in deutscher Sprache.

Am bekanntesten ist Schwenter heutzutage für seine Mathematischen und Philosophischen Erquickstunden, deren ersten Band 1636 posthum erschien und mehrfach neu aufgelegt wurde. Vorbild waren die Recréations mathématiques des Franzosen Jean Leurechon (1591-1670) von 1624. Schwenter übersetzte das Werk, erweiterte es deutlich und nahm auch methodische Veränderungen vor. 1651 und 1653 erschienen der zweite und dritte Teil der Erquickstunden, herausgegeben von dem Nürnberger Juristen und Schriftsteller Georg Philipp Harsdörffer (1607-1658). Im ersten Band werden in sechzehn Kapiteln Probleme aus der Arithmetik, Geometrie und Feldmesskunst, Stereometrie, Musik, Optik, Katoptrik oder „SpiegelKunst“, Astronomie und Astrologie, Sonnenuhrkunde, „Statica oder Wag und Gewicht Kunst“, Bewegungslehre, Feuerwerkskunst, Pneumatik, Hydraulik, Schreibkunst, Baukunst und der Chemie abgehandelt. Darin stellte er erstmals das „Ochsenauge“ vor, ohne den Anspruch zu erheben dessen Erfinder zu sein. Dabei handelte es sich um ein frei drehbares hölzernes Kugelgelenk, mittels dessen ein Teleskop relativ einfach der Sonnenbewegung nachgeführt werden kann. Das zeigt, dass in den Erquickstunden keineswegs nur für Laien interessante Spielereien vorgebracht wurden.

Schwenter hat sich vor allem in der Geometrie bedeutende Verdienste zu verzeichnen: 1618 erschien erstmalig seine Geometriae Practicae Novae, die in drei Bücher unterteilt war. Im ersten Buch wurde Aus rechtem Fundament gewiesen [...] wie man in der Geometria, auf dem Papyr und Lande / mit denen darzu gehörigen Instrumenten / ja zur Noht / ohne dieselben / verfahren und practiciren solle. Buch zwei zeigte Wie ohne einig künstlich Geometrisch Instrument / allein mit der Meßruthe und etlichen Stäben / das Land zu messen. Buch drei stellte den Messtisch von Praetorius vor.

Über Astronomie scheint Schwenter keine oder zumindest kaum Vorlesungen gehalten zu haben. Das copernicanische Weltbild lehnte er als der Heiligen Schrift zuwider ab. Auch glaubte er, in einem Versuch einen Beweis zu haben, den der Ulmer Ratsherr Joseph Furtenbach (1591-1667) in seiner Beschreibung einer newen Büchsenmesterey von 1627 veröffentlich hatte. Furtenbach schoss eine senkrecht nach oben gestellte Kanone ab, um festzustellen, dass die Kugel nichts ins Rohr zurückkehrte sondern etliche Schritte von der Kanone entfernt aufprallte. Schwenter rechnete vor, dass dieser Abstand bei sich drehender Erde um ein Vielfaches größer ausfallen müsste. Dass die Kugel nicht exakt in den Lauf zurückkehrte, erklärte er einerseits mit dem Wind, andererseits damit, dass das Kanonenrohr wohl nie völlig exakt senkrecht gestellt werden könnte. Von der Astrologie scheint Schwenter nicht viel gehalten zu haben, denn in den Erquickstunden schrieb er dazu: „Allein weil viel unnützes unnd aberglaubisches dings von den Chaldeern / Egyptiern und Arabern dazu geflicket und gesticket / wird sie nicht unbillig von vielen hohen und gelehrten Personen verworffen ja der H. Augustinus sondert sie von der Christlichen Kirchen gantz ab.“

Mitgliedschaften und Ehrungen:

1628 wurde Schwenter in den Größeren Rat der Stadt Nürnberg aufgenommen. 1629 wurde er zum Poeten der hebräischen, chaldäischen und syrischen Sprache gekrönt.

Ausgewählte Werke:

Literatur:

Links:



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