Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Michaelis, Johann David (1717-1791)[1]
Empfänger Best, William Philip[2]
Ort Göttingen
Datum 26. September 1754
Signatur Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: Hann. 92, Nr. 1028, Bl. 93r-94v
Transkription Hans Gaab, Fürth

Wohlgeborner Herr,
Hochgeehrtester Herr Geheimter Secretaire,



Ewr. Wohlgebohrnen bin vor die Mühe, so Sie sich so wohl in meinen als in des Herrn Prof. Mayers Angelegenheiten gegeben haben, gehorsamst verbunden. Auch nehme das gütigste Erbieten Ewr. Wohlgeb. mit vielem Danck an, daß dieselben eine Schrift, Nahmens Herrn Prof. Mayers an die Admiralität wollen aufsetzen laßen: jedoch bitte damit noch einen Anstand von einem Monathe zu nehmen, in welcher Zeit ich auch vermuthlich auf eine nachher zu thuende Anfrage einige Antwort zu meiner und Herrn Mayers Direction werde erhalten können. Es wird nehmlich Herr Mayer noch einen die Longitud. maris betreffende Abhandlung am 12ten Octob. in der Societät vorlesen,[3] so gewiße mögliche Dubia beantwortet, und noch nähere Anweisung giebt, wie man eigentlich auf der See zu deren Erfindung zu verfahren habe. Diese, so zur Entscheidung nöthig seyn könnte, wollte er sogleich ab-

[Bl. 93v]
schriftlich übersenden, um sie beyzulegen. Hiebey ist noch die Frage, ob das was im 2ten und 3ten Tomo der Comment. bereits gedruckt ist,[4] auszuschneiden und beyzulegen sey? oder ob diese beyden Tomi selbst der Admiralität zu überreichen seyn? Wenn das letzte ist, so wäre vielleicht ein bequemer Vorschlag, daß ad interim Ewr. Wohlgeb. ein dort in Ihrer oder einer anderen Bibliotheque vorräthiges Exemplar beylegten, so Herr Mayer mit dem ersten Courrier erstatten sollte.

Was in dem Gentleman's Magazine gegen Herrn Mayers Berechnung eingewandt ist, hat wol wenigen Grund. Ich lege eine frantzösiche Antwort, die in England von mehreren möchte verstanden werden, als eine deutsche, hierbey, und überlaße blos dem Discernement[5] Ewer. Wohgebohrnen, ob davon etwas in das Gentelmen's Magazine des Novembers einzurücken thunlich oder auch rathsam sey.

Weil des Herrn Cammer-Praesidenten Excellenz[6] den Brief Ewr. Wohlgeb. an mich, diese Sache betreffend gelesen haben, so habe auch diesen, zu etwaniger Gnädigster Einsicht Hochgedachter S. Excellenz sub volante[7] eingeschloßen: der ich mit steter Ergebenheit verharre,

Ewr. Wohlgebohrnen

Göttingen d. 26. Sept.
    1754.

gehorsamster Diener
JD Michaelis  


[Bl. 94r (Beilage)]
C'est un mérite, que les tables de Lune, dont il est fait mention dans le Gentleman's Magazine for August 1754. p. 374. ne s'accordent pas avec l'observation de M. Halley[8] citée p. 376. du même Journal. Car il est certain, qu'il s'est glissée une faute considerable dans cette observation ou peut-étre dans le lieu de la sune, qu'en a tiré M. Halley. Cette observation corresponde selon le cycle de 223. Lunations avec celle du 10 Avril 1746 facte à Greenwich par M. le Docteur Bradley[9], et les tables ne différent de celle la, que de 0.' 23.'' comme en peut voir p. 394 du III. Tome des Commentaires de la Societé royale de Gottinguen. Il y a meme d'autres coorespondantes dans l'Histoire céléleste Brittannique de M. Flamsteed[10]; scavoir celle du 19 Mars 1708, et celles du 7 et 11. Mars 1690; lequelles etant comparées avec le xalcul tiré des tables justifient assez tems la fausseté de l'observation du 30. Mars 1746. citée contre elles. On prie en général ceux qui veulent sons mettre ces tables a l'examen, qu'ils veuillent tien se servir des observations bien constatáes et dont on connoisse non pas le simple résultat, mais plutot tout le détail; que de plus ils ayent égard à l'aberation de la lumiere et àla mutation de l'axe de la terre dans les lieux des étoiles fixes avec lesquelles la sune a été comparées. Alors il déviendra clair, que l'auteur n'a pas plus avancé que le tables ne prêtent actuellement. Comme ces conditions sont fort équitables etant impossilbe, qu'une bonne theorie s'accorde avec de mauvaises observations, on a jugé &agreve; propos d'en avertir les atronomes. pp.

[Es ist ein Verdienst, dass die Mondtabellen, die im Gentleman's Magazine vom August 1754, S. 374, erwähnt werden, nicht mit der Beobachtung von Herrn Halley übereinstimmen, die auf S. 376 desselben Journals zitiert wird. Denn es ist sicher, dass sich in dieser Beobachtung oder vielleicht in der Stelle, die Herr Halley daraus abgeleitet hat, ein erheblicher Fehler eingeschlichen hat. Diese Beobachtung entspricht gemäß dem Zyklus von 223 Lunationen derjenigen vom 10. April 1746, die in Greenwich von Herrn Doktor Bradley gemacht wurde, und die Tabellen weichen von dieser nur um 0.' 23.'' ab, wie auf S. 394 des III. Bandes der Kommentare der Königlichen Gesellschaft von Göttingen zu sehen ist. Es gibt sogar weitere Entsprechungen in der britischen Himmelsgeschichte von Herrn Flamsteed, nämlich die vom 19. März 1708 und die vom 7. und 11. März 1690, die im Vergleich mit den aus den Tabellen abgeleiteten Berechnungen, die Unrichtigkeit der gegen sie angefürten Beobachtung vom 30. März 1746 hinreichend belegen. Im Allgemeinen werden diejenigen, die diese Tabellen prüfen möchten, gebeten, sich auf fundierte Beobachtungen zu stützen, deren Ergebnisse nicht nur allgemein, sondern auch im Detail bekannt sind. Außerdem sollten sie die Lichtabweichung und die Verschiebung der Erdachse an den Orten der Fixsterne berücksichtigen, mit denen die Sonne verglichen wurde. Dann wird klar, dass der Autor nicht mehr vorgebracht hat, als die Tabellen derzeit hergeben. Da diese Bedingungen sehr fair sind und es unmöglich ist, dass eine gute Theorie mit schlechten Beobachtungen übereinstimmt, wurde es für angebracht gehalten, die Astronomen darauf hinzuweisen. etc.]


[Bl. 94v, Anschrift]

A Monsieur
Monsieur Best,    
  Secretaire Prive du Roy
à
Hannover.



Fußnoten

  1. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
  2. William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
  3. Ein Bericht über Mayers Vorlesung findet sich in den Göttingischen Anzeigen von gelehrten Sachen von 1754, S. 1073-1074.
  4. Im zweiten Band der Commentarii Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis finden sich Mayers Novae tabulae Motuum Solis et Lunae (S. 383-430); im dritten Band seine Tabularum Luminarium (S. 383-430).
  5. Discernement (französisch): Urteilsvermögen.
  6. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
  7. sub volante: in Eile.
  8. Edmund Halley (1656-1742) war ein bekannter englischer Astronom.
  9. James Bradley (1692-1762) war seit 1742 als Nachfolger von Halley erster englischer Astronom und Direktor der Sternwarte in Greenwich.
  10. John Flamsteed (1646-1719) war bis zu seinem Tod Direktor der Sternwarte in Greenwich.


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