Briefwechsel Tobias Mayer
| Kurzinformation zum Brief | Zum Original |
| Autor | Best, William Philip[1] |
| Empfänger | Balck, Heinrich Eberhard (1705-1769)[2] |
| Ort | London |
| Datum | 19. November 1754 |
| Signatur | Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 7255, S. 1-7 |
| Transkription | Hans Gaab, Fürth |
Pro Memoria.
Was mein Hochzuehrender Herr College in Ansehung derer für das Göttingische Observatorium allhier zu verfertigenden Astronomischen Instrumente mittelst Pro Memoria vom 11.ten Pass: fernerweit an mich abzulaßen beliebet, das habe ich zu seiner Zeit woll erhalten, und wie ich zuforderst für die von des Herrn Cammer=Praesidenten Excellenz[3] bezeugten gnädigen Zufriedenheit über meine in dieser Sache bisher angewandte geringe Bemühungen meine devoteste Dank Verehrung hiemit darlege; Also ermangele ich auch hiernächst nicht, nachdem ich den ferneren Auftrag nunmehro ausgerichtet habe, davon schuldigst zu berichten.
Ich habe nemlich die überschickte Anwort des Herrn Prof: Segner[4] auf die gegen seinen vorgeschlagenen Octanten vorhin allhier gemachte Objectiones so woll, als auch deßen Addimentum, welches Mhhlr College mir unterm 25ten pass: nachgesandt, dem Herrn Grafen von Macclesfield[5] und dem Kögl. Astronomo zu Greenwich Hlr Dr Bradley[6] zu lesen gegeben, beÿde aber sind beÿ ihrer vorigen durch die Erfahrung
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bestärckten Meinung geblieben, daß ein Mural Quadrant
ungleich beßer seÿ, als ein Octant, zumahlen
der Ort zu jenem Instrumente gantz convenabel,
und nachdem auf Ihre Anweisung der Künstler[7]
in dem übersandten sub Nro 1. hiebeÿ wieder zurück
gesenden Riße von dem Observatorio, den eigentlichen
Platz, wo beregter Quadrant am füglichsten aufzurichten,
marquiret; in der Beÿlage sub Nro 2.
aber den Quadranten selbst abgezeichnet, und in
dem 3.ten Anschluß die Erläuterung dazu hergegeben
hat, so haben oberwehnte beyde Herren solches
alles völlig approbiret.
Was nun die Kosten anbetrift, so wird der Mural Quadrant, gleich ich schon vorhin angezeiget habe, auf 260. £ sterrl. zu stehen kommen, jedoch laut des Künstlers Außage noch ein geringes nicht über 4. bis 5. £ Sterl. betragendes Quantum deswegen mehr erfordert werden, weil nach der Lage und den Umständen des Orts eine zweÿte Mauer, um den Quadranten nach Norden zu bringen, nöthig, mithin auch eine gedoppelte Befestigung
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erforderlich ist, für das vorgeschlagene so genannte
transit Instrument aber /: frantzösich: Instrument
de Passage :/ verlanget er 40. £ Sterrl., und auch dabeÿ
finden Hr. Graf von Macclesfield und Hr. Dr.
Bradley nichts zu erinnern, vielmehr vorerwehnte
Preise gantz billig. Sie verstellen zwar die
Verfertigung dieses letzteren Instruments zu
selbst eigenen Gutfinden, versichern aber daß
dergleiche gar nützlich, und in einem öffentlichen
Observatorio fast unentbehrlich seÿ. Londen
den 19.ten November 1754
MBest.
An
den Herrn Geheimbten Cantzleÿ
Secretaire Balck in Hannover.
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Pro Mem:
Da in anliegender Erläuterung des Instrument Machers Bird zu denen beygehenden Eißen[bolzen] enthalten, daß die Oefnungen in denen Mauren zu Befestigung des Quadranten nicht ehender gemachet werden könten, bis dieser würcklich übersandt worden, so habe ich dagegen die Besorgniß eingewandt, ob nicht als denn eben durch die Verfertigung dieser Oefnungen der Standhafftigkeit der Mauren einiger Schaden zugefügefet, und dieselben zu einer Seite gelenket werden könten. Man hat mir aber versichert, daß dergleichen nicht zu befürchetn sey, daß die Oefnungen
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gebohret, und accurat gemachet werden
müsten, daß man deren Distantz vor der
Verfertigung des Quadranten nicht angeben
könne. Es ist aber versprochen, demnächst
bey der Übersendung des Quadrantens eine
förliche Instruction behuf deßen Aufhang=
und Befestigung mit zutheilen.
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Fig. I.[8]
It appears by this draught that the building is a very convenient
place for a Quadrant of six feet Radius.
A Quadrant cannot be used on both sides one Peer [= pier, Pfeiler], because the Nitches are both in one Plane, neither will the building admit of any such movement; but as the opposite side of the Room seems similar to that described; another Peer may be built there, and the Quadrant moved occasionally to take Northern Observations.
I have drawn the base of each Peer from the same scale that the building is drawn - The lines drawn through the middle of the Nitsches, represent the axis of the Telescope and the face of each Peer is at the distance of 4,8 inches from them, being the exact distance the Quadrant will require.
Each Peer ist 20 inches thick in the thickest part, and the lines drawn across represent the Iron bolts which fasten the Apparatus that the Quadrant must be suspended upon; but it will not be proper to make these holes in the Peers till you receive the Quadrant, because the holes in the Quadrant must limit their distance.
I believe it will be best to make the Peers as I have drawn them i.e. at a small distance from the Walls, rather than in contact with them, left the effect the changes of weather may have upon the building should alter their situation.
The line drawn with a pencil and mark'd AA seems a very proper place for a Transit Instrument with a Telescope five feet in length.
[S. 7]
aaaa Represent the face of the Peer with the Quadrant
suspended upon it. ab, ab the uppermost stone, which ought
to be of one piece. The base stone ought also to be of one
piece, and if it can be laid below the floor may be broader
than the superstructure.
cc are the holes in the Quadrant where it is suspended.
NB. Great care must be used in making the faces of the Peers as near the Meridian as possible, for no more then ¾ of an inch is allow'd between the Peer and teh back part of the Quadrant.
John Bird
Fig. 2[9] is drawn from a scale of an inch to a foot
[Übersetzung]
Ein Quadrant kann nicht auf beiden Seiten eines Pfeilers verwendet werden, da sich die Aussparungen beide in einer Ebene befinden und das Gebäude eine solche Bewegung nicht zulässt. Da jedoch die gegenüberliegende Seite des Raums der beschriebenen ähnlich zu sein scheint, könnte dort ein weiterer Pfeiler errichtet und der Quadrant gelegentlich für Beobachtungen in Richtung Norden dorthin gebracht werden.
Ich habe die Basis jedes Pfeilers im gleichen Maßstab gezeichnet wie das Gebäude - die Linien, die durch die Mitte der Nischen gezogen sind, stellen die Achse des Teleskops dar, und die Vorderseite jedes Pfeilers befindet sich in einem Abstand von 4,8 Zoll [ca. 12 cm] davon, was genau dem Abstand entspricht, den der Quadrant benötigt.
Jeder Pfeiler ist an seiner dicksten Stelle 20 Zoll [ca. 50 cm] dick, und die quer darüber gezogenen Linien stellen die Eisenbolzen dar, mit denen die Vorrichtung befestigt wird, an der der Quadrant aufgehängt werden muss; es ist jedoch nicht angebracht, diese Löcher in die Pfeiler zu bohren, bevor Sie den Quadranten erhalten haben, da die Löcher im Quadranten ihren Abstand begrenzen müssen.
Ich halte es für das Beste, die Pfeiler so zu bauen, wie ich sie gezeichnet habe, d.h. in einem geringem Abstand zu den Mauern und nicht in Kontakt mit ihnen, um Witterungseinflüsse auszugeschließen, die sich auf das Gebäude auswirken und ihre Lage verändern könnten.
Die mit einem Bleistift gezogene und mit AA markierte Linie scheint ein sehr geeigneter Ort für ein Transitinstrument mit einem fünf Fuß langen Teleskop zu sein.
aaaa Stellt die Vorderseite des Pfeiles dar, über der der Quadrant h&aumL;ngt. ab, ab der oberste Stein, der aus einem Stück bestehen sollte. Der Grundstein sollte ebenfalls aus einem Stück bestehen und, wenn er unter dem Boden verlegt werden kann, breiter sein als der Überbau.
cc sind die Löcher im Quadranten, an denen er aufgehängt ist.
NB. Es muss sorgfältig darauf geachtet werden, dass die Vorderseiten der Pfeiler so nah wie möglich am Meridian liegen, da zwischen dem Pfeiler und dem hinteren Teil des Quadranten nicht mehr als ¾ Zoll Abstand zulässig sind.
John Bird
Figur 2 ist in einem Maßstab von einem Zoll zu einem Fuß [1 : 12] gezeichnet.
Fußnoten
- ↑ William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
- ↑ Heinrich Eberhard Balck (1705-1769) war geheimer Kanzleisekretär in Hannover.
- ↑ Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
- ↑ Johann Andreas
Segner (09.10.1704-05.10.1777)
war seit 1751 für die Errichtung der Universitätssternwarte in Göttingen zuständig.
1755 wechselte er nach Halle.
Zu Segner und seiner Rolle beim Bau der Sternwarte siehe:- Rab, Irén: Die Rolle von Johann Andreas Segner (1704-1777) bei der Errichtung der ersten Göttinger Sternwarte. In: Lengyel, Zsolt K. (Hrsg.): Ungarn-Jahrbuch. Zeitschrift für interdisziplinäre Hungarologie 37, 2021. Regensburg: Friedrich Pustet 2022, S. 41-63
- ↑ George Parker, 2. Earl of Macclesfield (1697-1764), war von 1752 bis 1764 Präsident der Royal Society.
- ↑ James Bradley (1692-1762) war seit 1742 in Nachfolge von Edmund Halley (1656-1742) erster Königlicher Astronom und Direktor der Sternwarte in Greenwich.
- ↑ Der bekannte Instrumentenhersteller John Bird (1709-1776) hat diesen Quadranten 1755 verfertigt.
- ↑ Dieser Figur ist nicht überliefert. Nach der Aussage von Best oben und dem ersten Satz von Bird muss es sich um einen Plan des Observatoriums handeln, womöglich den Entwurf des Hoftischlers und Oberhofbaumeisters Johann Paul Heumann (1703-1759) aus Hannover.
- ↑ Figur 2 ist ebenfalls nicht überliefert.
