Briefwechsel Tobias Mayer
| Kurzinformation zum Brief | |
| Autor | Best, William Philip[1] |
| Empfänger | Michaelis, Johann David (1717-1791)[2] |
| Ort | London |
| Datum | 19. November 1754 |
| Signatur | SUB Göttingen: Ms.
Mich. 320 Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: NLA HA Hann. 92. Nr. 1028, Bl. 74-76 [Entwurf]. |
| Transkription | Buhle, Johann Gottlieb: Literarischer Briefwechsel von Johann David Michaelis, Band 1. Leipzig: Weidmann 1794, S. 274-277 (Brief 71) |
| Anmerkungen | Hans Gaab, Fürth |
London, den 19. Nov. 1754.
Nachdem ich am verwichenen Sonnabend bey dem Grafen von Macclesfield[3] mit dem Königl. Astronomen zu Greenwich, Hr. Dr. Bradley[4], zusammen gewesen bin, so ermangle nicht, hiemit zu vermelden, wie diese Herrn sich über die Erfindung des Hrn. Prof. Mayer von der Meeres Länge geäußert haben. Sie finden nämlich die Sache an und vor sich so beschaffen, daß sie allerdings verdiene, der Admiralität vorgelegt zu werden, um darnach Experimente zu machen, ob wohl sie zugleich versichern, daß das vorgeschlagene Instrument behuf der anzustellenden Observationen zur See auch schon vorhin allhier, nur unter einigen Veränderungen, angegeben sey, und noch zur Zeit dahingestellt seyn lassen, inwiefern solches hinreichen werde. Gleichwie aber der Hr. Prof. Mayer in seinem Manuscripte angeführt, daß er die in dem zweiten Bande der Commentarien befindliche Mondstabellen[5] annoch verbessert und näher ausgerechnet habe; also halten sie nöthig, daß auch sothane Ausrechnungen, und zugleich die Prinzipien, wornach selbige geschehen, angezeigt werden, ehe und bevor das Gesuch bey der Admiralität angebracht wird. Ich habe darauf erwiedert, daß ich, selbige herbeyzuschaffen, sicher versprechen, und also meiner Meinung nach die Sollicitation[6], um keine Zeit zu verlieren, inzwischen eingegeben werden könnte. Man hat aber darauf erwiedert, daß, da es doch möglich, obwohl in dem gegenwärtigen Falle bey der bekannten Geschicklichkeit und tiefen Einsicht des Hrn. Prof. Mayer nicht zu vermuthen sey, daß auch auf fehlsame Principien gegründete Ausrechnung zuweilen zutreffen könne, also auch die Admiralität von der Richtigkeit der Sätze völlig versichert seyn müsse, und dannenhero unumgänglich erfodert werde, beregte Sachen wenigstens der zu übergebenden Requette[7] zugleich mit beyzulegen; das jedoch solches, damit nicht andere dem Hrn. Mayer nachtheiligen Gebrauch davon machen mögten, allenfalls versiegelt geschehen könne. Bey diesen Umständen habe ich um so weniger dagegen etwas einzuwenden vermogt, als mir daneben bezeugt worden, daß auch der geringe Zeit=Verlust dem Hrn. Prof. Mayer auf keine Weise zum Präjudiz gereichen könne, indem derselbe von dem Tage seiner allhier angezeigten Entdeckung durch den von dem Hrn. Dr. Bradley ausgestellten Empfang=Schein, den ich laut meines vorigen Schreibens darüber erhalten, allemal gesichert bleibe.
Ewr. muß ich demnach gehorsamst ersuchen, mir beregte Nachrichten so bald als immer möglich zukommen zu lassen, und wie nach deren Einlangung die Sollicitation so fort angefangen werden soll; also bitte ich mir auf allen Fall zu dem Dero Behuf zu übergebenden Memoriale zugleich eine Carte blanche von dem Hrn. Prof. Mayer mit aus. Da erwähntes Memorial nicht weitläuftig zu seyn bedarf, so wird es hinlänglich seyn, wenn der Namen am Ende auf der ersten Seite eines Bogens in Folio bezeichnet ist. Ich verharre mit steter Hochachtung auf das vollkommenste.
W. Best
N. S.
Ich muß mir die verlangten Nachrichten
ausdrücklich versiegelt ausbitten, damit ich
alles um deren Mitteilung etwa geschehende
Ansuchen desto besser abwenden könne.
Es wird genug seyn, wenn sich auf dem
Päckchen ein Rubrum[8] in lateinischer Sprache
von dessen Inhalte befindet.
[Bl. 77r, nur in den Akten aus Hannover]
received to day of Mr: Best, Profess: Mayers Manuscript
about the Longitude at Sea, called Methodus
Longitudinum promota. Greenwich 9. Nov: 1754:
Ja: Bradley
Fußnoten
- ↑ William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
- ↑ Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
- ↑ George Parker, 2. Earl of Macclesfield (1697-1764), war von 1752 bis 1764 Präsident der Royal Society.
- ↑ James Bradley (1692-1762) war seit 1742 in Nachfolge von Edmund Halley (1656-1742) erster Königlicher Astronom und Direktor der Sternwarte in Greenwich.
- ↑ Im zweiten Band der Commentarii Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis finden sich Mayers Novae tabulae Motuum Solis et Lunae (S. 383-430).
- ↑ Sollicitation: Gesuch.
- ↑ requête: Gesuch.
- ↑ Rubrum: Die einem Aufsatz vorangestellte kurze Zusammenfassung bzw. ein Betreffszeile.
