Briefwechsel Tobias Mayer
| Kurzinformation zum Brief | |
| Autor | Best, William Philip[1] |
| Empfänger | Michaelis, Johann David (1717-1791)[2] |
| Ort | London |
| Datum | 14. März 1755 |
| Signatur | SUB Göttingen: Ms. Mich. 320 |
| Transkription | Buhle, Johann Gottlieb: Literarischer Briefwechsel von Johann David Michaelis, Band 1. Leipzig: Weidmann 1794, S. 283-285 (Brief 74) |
| Anmerkungen | Hans Gaab, Fürth |
London, den 14. März 1755.
Ewr. geehrtes Schreiben vom 27ten vorigen Monats ist mir mit voriger Post unter dem Couverte des Hrn. Kammer=Präsidenten Excell.[3] richtig zu Händen gekommen. Ich habe darauf sofort dessen Inhalt dem Hrn. Grafen von Maccelsfield[4] eröffnet, und muß gestehen, daß es demselben nicht wenig befremdet, daß der Hr. Professor Mayer Bedenken findet, die Fundamente seine Ausrechnung von den Mondstabellen zu communiciren. Wie er sich indessen nach Ewr. Versicherung dazu endlich erklärt, und solche gegen Pfingsten zu übersenden versprochen hat: also vermeint der Hr. Graf von Macclesfield, daß die Verfertigung des Instruments bey den angeführten Umständen schon so lange ausgesetzt bleiben könne, bis Hr. Dr. Bradley[5] erst alles nachgesehen und gründlich untersucht hat. Inzwischen muß ich auch dieses sagen, daß dessen Ueberschickung keine große Schwierigkeit machen, sondern füglich über Bremen oder Hamburg geschehen kann. Die von dem Hrn. Prof. Mayer besorgte Parteylichkeit der Engländer gegen seine Erfindung hat zwar einigen Anschein; ich habe aber auch alle Ursache, zu glauben, daß man ihm werde Justiz wiederfahren lassen. Nur muß ich bitten, daß der Hr. Prof. zuvörderst mit allen seinen Erfindungen ingenue herausgehen, und keine zurück behalten, hiernächst aber auch von selbigen sonst nicht weiteres publiciren möge. Denn was letztere anbelangt, so hat es schon etwas Befremden verursacht, daß Hr. Mayer den Preis von einem entdeckten Geheimnisse nachsucht, wozu er den Weg in den gedruckten Commentariis[6], so zu sagen, fast der ganzen Welt bereits gezeigt hat, und in Ansehung des erstern ist man auch davon nicht allerdings zufrieden, daß der Hr. Prof. in seinen bisher überschickten Schriften noch immer von noch näher ausgerechneten Mondstabellen redet. Ewr. haben mir auf diesen letztern Punct in Dero geehrtem Schreiben nichts geantwortet, wannenhero ich auch zu dessen Entschuldigung allhier nicht habe bezeugen können. Ich verharre mit aller Hochachtung auf das vollkommenste.
W. Best
Fußnoten
- ↑ William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
- ↑ Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
- ↑ Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
- ↑ George Parker, 2. Earl of Macclesfield (1697-1764), war von 1752 bis 1764 Präsident der Royal Society.
- ↑ James Bradley (1692-1762) war seit 1742 in Nachfolge von Edmund Halley (1656-1742) erster Königlicher Astronom und Direktor der Sternwarte in Greenwich.
- ↑ Im zweiten Band der Commentarii Societatis Regiae Scientiarum Gottingensis finden sich Mayers Novae tabulae Motuum Solis et Lunae (S. 383-430).
