Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Michaelis, Johann David (1717-1791)[1]
Empfänger Best, William Philip[2]
Ort Göttingen
Datum 27. Februar 1755
Signatur Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: Hann. 92, Nr. 1028, Bl. 64r-65r
Transkription Hans Gaab, Fürth; doch vgl. auch:
Roth, Erwin: Briefe von und an Tobias Mayer. Marbach: Tobias-Mayer-Museum-Verein 1992, S. 69

Wohlgebohrner Herr,
Hochgeehrtester Herr Geheimter Secretaire,



Ich bin recht beschämt, daß ich in einer Sache, in welcher Ewr. Wohlgebohrnen Sich auf meine Bitte bemühen, so saumselig im Antworten gewesen bin: die Schuld aber davon kann ich doch zum Theil der damahls erhaltenen nicht recht vergnüglichen Antwort des Herrn Prof. Mayers geben, die ich hiebey lege,[3] ob sie gleich etwas beschmutzt ist, theils hat mich eine eilige Arbeit, welche Ihro Excellenz der Herr Cammer-Praesident[4] mir aufgetragen haten, und darauf der ganzte Januarius nebst dem halben Februario gegangen ist, mich

[Bl. 64v]
schlechterdings außer Stand gesetzt, an meine Gönner zu schreiben.

Ich habe Herrn Mayer zugeredet, und so viel zu wege gebracht, daß er die gantze Berechnung, die das Fundament und der Beweiß seiner Monds-Tabellen enthält, abschreiben, und vor Pfingsten übersenden wird. Wegen der Instrumente bin ich zweifelhaftig, wie es gemacht werden solle. Ich sehe nicht, wie man es, wenn es hier gemacht wird, nach England transportirt, angesehen das es zu groß ist, als daß der Courier es mit nehmen könnte, der Weg über Hamburg aber zu langsahm und ungewiß ist. Er, Herr Mayer, fürchtet sich, daß es hier nicht zu rechter Zeit fertig werde, weil der Raths-Herr Campe[5], welcher dergleichen Arbeit sonst sehr gut und in Vollkommenheit macht, in seinen Arbeiten sehr langsahm ist, und sein Wort nicht hält: auch scheint es, er scheue die Kosten, denn er ist etwas genau, und hat dabey immer einen Verdacht, als werde er bey der nicht unbekannten Partheylichkeit der Engländer vor ihre eigene Nation unbelohnet bleiben. Er meint, da man in London die besten

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Künstler habe, die sich gewiß in seinen Aufsatz würden finden können, so könne My Lord Anson[6] das Instrument dort verfertigen laßen, um es auf den Schiffen zu probieren: ja es könne ein wahrer Mathematicus, so wie Herr Bradley[7], auch ohne das Instrument machen zu laßen, schon aus der Beschreibung es beurtheilen.

Ich muß sehr bitten, daß Ewr. Wohlgeb. einige hier durch scheinende Fehler der Menage nicht mir zurechnen. Es ist nicht meine denckungs-Art, sondern Herrn Mayers seine. Das erste Dubium ist das wichtigste. Ich will erwarten, ob Ewr. Wohlgeb. mir in dem nächsten gütigen Antworts-Schreiben einen Rath, oder eine vor Herrn Mayer vergnügliche Antwort geben können: wo nicht, so muß er sich, da er so viel zu gewinnen suchet, auch zum Einsatz in die Lotterie verstehen.

  Mit größester Ergebenheit verharre,

Ewr. Wohlgebohrnen

Göttingen d. 27. Febr.
    1755.

gehorsamster Diener
Michaelis  




Fußnoten

  1. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
  2. William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
  3. Gemeint sein könnte Mayers Stellungnahme vom 16.01.1755.
  4. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
  5. Franz Lebrecht Kampe (um 1712-1785) fertigte einige Instrumente für die Göttinger Sternwarte an. Kampe war seit 1740 Göttinger Senator. Von ihm stammt ein kleiner Quadrant und ein Azimutalquadrant.
    • Behrendsen, Otto (1850-1921): Zur Geschichte der Entwicklung der mechanischen Kunst. Deutsche Mechaniker-Zeitung, 1. Juni 1907/11, S. 101-107, hier S. 101-104
    • Poppe, Johann Heinrich Moritz (16.01.1776-21.02.1854): Franz Leberecht Kampe, weil. Senator, Bauherr und Mechanikus zu Göttingen. Neues hannoversches Magazin 9 (1799), Sp. 501-512.
  6. George Anson, 1. Baron Anson (1697-1762) war Admiral der Flotte in England.
  7. James Bradley (1692-1762) war seit 1742 in Nachfolge von Edmund Halley (1656-1742) Königlicher Astronom und Direktor der Sternwarte von Greenwich.


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