Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Michaelis, Johann David (1717-1791)[1]
Empfänger Best, William Philip[2]
Ort Göttingen
Datum 21. Februar 1762
Signatur Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: Hann. 92, Nr. 1028, Bl. 56r-57v
Transkription Hans Gaab, Fürth; doch vgl. auch:
Roth, Erwin: Briefe von und an Tobias Mayer. Marbach: Tobias-Mayer-Museum-Verein 1992, S. 70-71 (Transkription aber vermischt mit dem Brief vom 25.02.1762 an Best)

Wohlgeborner Herr Secretaire,
Hochgeehrtester Herr Vetter,



Da gestern der Herr Prof. Mayer in dem 40sten Jahr seines Alters gestorben ist, und er mir auf seinem Todtenbette noch hat auftragen laßen, dafür zu sorgen, daß seine unmündigen Kinder die Praemie erlangen möchten, die in England seiner Entdeckung eines Mittels, die Longitutidem maris zu finden, würde zuerkannt werden: so ersuche Ewr. Wohlgebohren gehorsahmst, seinen Tod durch einen Aufsatz der Admiralität zu melden, und zugleich davon Nahmens der Erben zu bitten, daß ihm zugewandt werden möge, was nach hinlänglicher Prüfung der Sache ihr Vater verdient haben würde. Finden Ewr. Wohlgebohrnen auch rathsam, statt der Erben meinen Nahmen zu gebrauchen, der einigemahl in der Sache genannt ist, so daß ich auf Befehl des Verstorbenen seinen Tod notificirte und für die Erben bäte, so ist es einerley. Die Ehr unserer Universität

[Bl. 56v]
ist sehr bey Herrn Meyers Sache, und wol eben so sehr wie seine Erben, interessirt. Denn ich wüste nicht, was sie bey auswärtigen in ein größeres Ansehen setzen könnte, als wenn ein hisiger Professor diese Praemie erhielte; und so viel meine ich gewiß zu seyn, daß wenn es nach Verdiensten gehet, Herr Meyer wo nicht die höchste Praemie von 20000 l. doch gewiß eine von den geringeren von 15000 bis 5000 l. verdient habe.

Wenn einige Unkosten wegen der Aufsätze und Aufwarten wäre, so bitte gehorsamst, sie nur zu erheben, damit ich die Bezahlung veranstalten könne.

Mit größester Hochachtung beharre

Ewr. Wohlgebohrnen

Gött d. 21. Febr. 1762.

gehorsamster Diener
Michaelis  


[Bl. 57v, Anschrift]

A Monsieur
Monsieur Best,    
  Secretaire du Roy
à
Londres



Fußnoten

  1. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
  2. William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
  3. Nach Michaelis entsprachen 3000 Pf. Sterl. 18000 Reichstalern.
  4. Tobias Mayer starb am 20.02.1762 in Göttingen.
  5. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.


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