Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Michaelis, Johann David (1717-1791)[1]
Empfänger Münchhausen, Gerlach Adolph von (1688-1770)[2]
Ort Göttingen
Datum 22. Februar 1762
Signatur Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: Hann. 92, Nr. 1028, Bl. 58r-59v
Transkription Hans Gaab, Fürth; doch vgl. auch:
Roth, Erwin: Briefe von und an Tobias Mayer. Marbach: Tobias-Mayer-Museum-Verein 1992, S. 70

Hochgebohrner Freyherr
Gnädigster Herr,



Heute früh habe ich bey Abgang der Post Ewr. Hochgebohrne Excellenz unterthänigst gebeten, meinen Brief an Herren Best[3], den von dem seel. Meyer ambirten Preis wegen der longitudinis maris betreffend, gnädigst und kräftigst zu unterstützen. Jetzt eben erhalte ich ein Papier von seiner Witwe, so ich abschriftlich mittheile, und das die Sache der Vorsprache Ewrer Excellenz noch würdiger macht. Denn wenn unsere Societät von diesem Preise 2000 l. bekommen könnte, so wäre sie über viel Schwierigkeiten hinweg, die ihr noch immer drohen, und im Stande, sich beßer zu zeigen. Ewre Ex-

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cellenz wißen die Wege, die Sache in Mouvement zu setzen beßer, als ich sie nennen kann: folgende historica aber nehme mir die Freyheit unterthänigst zu erwähnen.

Der Preis, wie ihn Newton bekannt gemacht, ist 20000 l. wenn die longitudo nur mit dem Irrthum ½ Grades gefunden werden kann;   10000 l. wenn der Irrthum 1 Gr. beträgt:   5000 wenn er 2 Grad beträgt.

So viel ich als ein unpartheyischer von der Sache sagen kann, sonderlich nachdem ich andre gehört, die mathematici sind, konnte der seel. Meyer den mitlern preis wol suchen[?], da er vielleicht den ersten verdient haben möchte.

Seine Generosität gegen die Societät hat folgenden Zusammenhang. Er hatte nie vorgehabt, das Memoire nach England zu senden, hatte es also der Societät vor-

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gelesen, und es sollte im Tomo V Comment. gedrückt werden. Denn er hielt die Engländer für partheyisch und neidisch. Auf mein Anrathen, ja fast auf mein quälen, gab er mir die Sachen sie nach England zu senden; und da alles nach meinem, und wider sein Verhoffen, leicht und gut ging, so nahm er sie aus den Commentariis wider heraus, woraus zuerst der Verdruß mit Luzac[4] entstand, der 20 rthlr. foderte, wo er nur 10 rthlr. geben wollte. In der Societät ward davon geredet, daß die Piece der Societät gehöre, doch alles in Scherz, und er versprach, wie ich es verstand, in Scherz, die Societät solle 2000 l. vom Preise haben. Allein ich sehe, daß er es in der Stunde des Todes zu Ernst gemacht hat.

Daß er mir auch etwas zugedacht habe, ist mir vorhin unbewußt gewesen, und es hat in den eifer mit dem ich die Sache getrieben gar keinen Einfluß haben können. Ich habe vielmehr vermuthet, wenn er ja mir eine Er-

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kenntlichkeit offerirte, so würde sie so gering seyn, daß ich sie pa[r]: point d'honneur[5] refusiren würde. Vor wenigen Tagen schrieb seine Witwe, da er noch lebte, mir etwas dunckles, daß er mir etwas als eine Dankbarkeit zu gedacht habe, wobey noch mein voriger Gedanke blieb: und erst heute Abend bekomme ich die erste Nachricht von seinen Intentionen. Vermuthlich hat er geglaubt, mich dadurch activer zu machen; ich würde aber auch ohne einigen eigenen Nutzen blos aus Betrachtung meiner Pflicht gegen Verstorbene eben so activ gewesen seyn, und es sollte mir sehr leid thun, wenn Ewr. Excellenz mich nicht so viel kenneten, mir dis zu glauben.

  Mit tiefster Devotion beharre

Ewrer Hochgebohrnen Excellenz

Göttingen den 22.
  Febr. 1762.

unterthänigster diener
Joh. David Michaelis



Fußnoten

  1. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
  2. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
  3. William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
  4. Elias Luzac (Lusac, 1723-1796) betrieb von 1753 bis 1756 eine Buchhandlung in Göttingen. Er ist aber auch der Drucker der Commentarii Göttingen Societät.
  5. par point d'honneur: aus Prinzip oder als Ehrensache


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