Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Michaelis, Johann David (1717-1791)[1]
Empfänger Best, William Philip[2]
Ort Göttingen
Datum 15. Mai 1763
Signatur Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: Hann. 92, Nr. 1028, Bl. 38r-39v
Transkription Hans Gaab, Fürth

Wohlgebohrner Herr Secretaire,
Hochgeehrtester Herr Vetter,



Ob ich gleich selbst besorge, daß bey der jetzigen großen Gährung nicht die bequemste Zeit seyn dürfte, die Sache der Frau Meyerin zu treiben: so nehme mir dennoch die Freyheit, schon wider, und ehe noch die Antwort auf mein voriges eingelaufen ist, an Ewre Wohlgebohrnen zu schreiben, weil die Frau Mayern den Verdacht heget, als vernachläßigte ich ihre Sache. Sie bekam vor einigen Tagen von dem Herrn de la Lande[3], der eben in London gewesen war, unter meinem Couvert einen Brief, darin er ganz von freyen Stücken meldet, man habe sich bey der gesetzten Commission gewundert, daß sie die Sache nicht treibe, und kein Memorial eingebe: er räth ihr daher, nicht allein dieses zu thun, sondern auch an die Herren Greeville[4],

[Bl. 38v]
und Makenzie[5] zu schreiben. Bey den täglichen Veränderungen im Ministerio habe ich geglaubt, dieser letzte Schritt könnte bedenklich seyn, habe also gerathen, diese beiden Schreiben so lange aufzuschieben, bis Ewrer Wohlgebohrnen gütigen Rath ich darüber hätte einhohlen können. Hingegen dächte ich, die Eingebung eines neuen Memorials an gehörigen Orte, darin um Belohnung der nun schon lange untersuchten Meyerischen Entdeckung gebeten würde, könnte um so viel weniger bedenken haben, als Herr Harrison[6] wirklich für etwas, so mit der Meyerischen Erfindung nicht zu vergleichen ist, 5000 l. erhalten hat, und Herr de la Lande die Sache fast aus dem Munde der Commissarien anräth. In solchem Memorial könnte noch erwähnt werden, daß die Witwe noch merkliche Verbeßerungen der Mondstafeln in Händen habe, die sie gleichfalls einsenden wolle,

[Bl. 39r]
wenn sie nur wüste, daß als denn die Untersuchung so gleich vor sich gehen sollte. Ewr. Wohlgebohrnen würden mich sehr obligiren, wenn Sie dieses Memorial je ehe je lieber aufsetzen ließen, dafür ich das, was nöthig seyn wird, mit vielem dank bezahle.

Mit ist auch eingefallen, ob ich an Herrn Makenzie etwan meine eben französich heraus gekommenen fragen an die nach Arabien geschickte dänische Reisegesellschaft,[7] senden, und in einem P.S: die Sache der Frau Meyerin berühren sollte. Ich weiß aber von dem Character dieses Herrn zu wenig, als daß ich im Stande wäre, ohne Ewr. Wohlgeb. Hülfe zu urtheilen, ob dieser oder ein anderer Weg der beste sey. Auch fürchte ich bey den beständigen Veränderungen des Ministerii, daß die Protection des einen bey dem Nachfolger eine gegenseitige Wirkung haben könnte.

Darf ich noch wol mit einer kleinen Neben-Commission be

[39v]
schweren? Ich wollte gern wieder zwey Pfund Senf-Pulver haben, deren Betrg ich mit gehorsamsten Dank da bezahle, wohin Ewre Wohlgebohrnen ihn assigniren.

  Mit größester Hochachtung beharre,

Ewrer Wohlgebohrnen


  Göttingen
den 15. Maji 1763.

gehorsamster Diener Michaelis  



Fußnoten

  1. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
  2. William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
  3. Joseph Jérôme Lefrançais de Lalande (1732-1807) war ein französischer Mathematiker und Astronom. Ab 1762 war er Professor für Astronomie am Collège Royale in Paris.
  4. George Grenville (1712-1770) wurde 1763 Premierminister und Schatzkanzler in England.
  5. James Stuart Mackenzie (1719-1800) war ein britischer Politiker.
  6. John Harrison (1693-1776) war ein englischer Uhrmacher, der eine genau gehende Uhr erfand, mit der das Längenproblem auf See zu lösen war.
  7. Es handelt sich um eine französiche Übersetzung der Ausgabe von 1762:
    • Michaelis, Johann David: Fragen an eine Gesellschaft Gelehrter Männer, die auf Befehl Ihro Majestät des Königes von Dännemark nach Arabien reisen. Frankfurt a.M.: Garbe 1761
    • Michaelis, Johann David: Recueil De Questions Proposées À Une Societé De Savans Qui Par Ordre De Sa Majesté Danoise Font Le Voyage De L'Arabie: Traduit De L'Allemand. Frankfurt a.M.: Garbe 1763


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