Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Michaelis, Johann David (1717-1791)[1]
Empfänger Münchhausen, Gerlach Adolph von (1688-1770)[2]
Ort Göttingen
Datum 15. Mai 1763
Signatur Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: Hann. 92, Nr. 1028, Bl. 36r-37r
Transkription Hans Gaab, Fürth; doch vgl. auch:
Roth, Erwin: Briefe von und an Tobias Mayer. Marbach: Tobias-Mayer-Museum-Verein 1992, S. 72-73

Hochgebohrner Freyherr,
Gnädigster Herr,



Ich nehme mir die unterthänigste Freyheit, die Einlage an Herrn Best[3] offen beyzufügen, wenn etwan Ewre Hochgebohrne Excellenz gnädigst geruhen wollten, aus derselben zu ersehen, wie es mit der Preissache der Meyerischen Erben stehe, bey welcher die Societät der Wißenschaften beynahe pro quinta parte[4] interessirt ist. Aus dem Schreiben des Herrn de la Lande[5] ersehe ich zuverläßig, daß man in England wohl intentionirt ist, und daß man Herrn Meyer Gerechtigkeit widerfahren laßen will, wenn nur alles hinlänglich getrieben wird. Ich bin gewiß, daß ihm der höchste Preis von 20,000 l. Sterling gebühret: allein wenn auch nicht alles erhalten würde, so kann doch die Com-

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mission, die dem Herrn Harrison[6] 5000 l. zuerkannt hat, Herrn Meyer nicht unter 10,000 zu erkennen.

Die Witwe Meyern glaubt, ich triebe ihre Sache nicht genug. Mein Haupt-Gedanke ist nun zwar gewesen, daß ich sie nicht gern übertreiben, und durch unzeitigen Eifer verderben möchte; und ich bin bey der jetzigen Unruhe in England furchtsahm, da man bey beständigen Abdankungen nicht weiß an wen man sich mit Sicherheit wenden soll. Es kommt mir aber doch auch vor, als sollte Herr Best, der die Gütigkeit gehabt hat, die Sache zu übernehmen, jetzt etwas wagen: allein ich urtheile in einer Entfernung.

Dürfte ich wol unterthänigst bitten, daß Ewre Hochgebohrne Excellenz geruhen wollten, ihm die Sache nochmahls zu recommendiren, und daß Höchst=dieselben mir auch einen

[Bl. 37r]
Wink geben wollten, so bald etwan das Englische Staats-Ministerium vest gesetzt seyn möchte, an wen ich in dieser Sache schreiben sollte.

Mit tiefster Devotion beharre,    
    Ewrer Hochgebohrnen Excellenz

Göttingen den 15 Maji
    1763.

unterthänigster Diener
Joh. David Michaelis



Fußnoten

  1. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
  2. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
  3. William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
  4. pro quinta parte: zum f&uul;nften Teil: Mayer hatte vor seinem Tod festgelegt, dass der evt, erreichte Preis zum Teil der Göttinger Societät der Wissenschaften zu Gute kommen sollte.
  5. Joseph Jérôme Lefrançais de Lalande (1732-1807) war ein französischer Mathematiker und Astronom. Ab 1762 war er Professor für Astronomie am Collège Royale in Paris.
  6. John Harrison (1693-1776) war ein englischer Uhrmacher, der eine genau gehende Uhr erfand, mit der das Längenproblem auf See zu lösen war.


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