Briefwechsel Tobias Mayer
| Kurzinformation zum Brief | Zum Original |
| Autor | Michaelis, Johann David (1717-1791)[1] |
| Empfänger | Münchhausen, Gerlach Adolph von (1688-1770)[2] |
| Ort | Göttingen |
| Datum | 27. Juni 1763 |
| Signatur | Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: Hann. 92, Nr. 1028, Bl. 26r-27v |
| Transkription | Hans Gaab, Fürth |
Hochgebohrner Freyherr,
Gnädigster Herr,
Die Frau Professorin Mayern sendet der Admiralität von Grosbritannien noch einige neuere und importante Papire nach, die zu der Preis-Schrift ihres seel. Mannes gehören. Sie wollte es schon vor 14 Tagen thun; allein ich bedeutete sie, daß Eure Excellenz dergleichen vielwiegende Sachen nicht in das Paquet des Königes einschließen könnten: und daß sie also warten müße, bis der Quartals-Courier abgehe. Da ich glaube, daß dieses in nächster Woche geschehen werde, so nehme mir die unterthänigste Freyheit, ihre Papiere, nebst einigen nach Oxford und Cambridge destinierten Büchern, in einem einzigen Paquet, hiebey zu übersenden: mit der unterthänigsten Bitte, daß
[Bl. 26v]
Ewre Excellenz solches Paquet, durch den Quartals-Courier
an Herrn Best befördern laßen möchten. Zu
mehrerer Erläuterung der Sachen habe den Brief an
Herrn Best[3] offen gelaßen.
Weil der Frau Mayern an diesem Paquet so sehr viel gelegen, und sie gegen mich mistrauisch ist; so habe in Einlage Ewrer Excellenz Cammerdiener gebeten, mir eine Nachricht davon zu geben, wenn dis ihr so sehr importante Paquet abgegangen seyn wird.
Ich weiß wol, daß Ewr. Hochgebohrne Excellenz besorgt sind, ihre Hoffnung werde ihr fehl schlagen.
[Bl. 27r]
Allein nachdem Herr de la Lande[4] mit als Judex über
die Presischriften in London ist, habe ich, der ich einigermaßen
die merita der Schrift weiß, ein überaus
großes Zutrauen. 5000 l. können ihr nicht entgehen:
20000 hat sie verdienet: 10000 glaube ich
bekommt sie. Ewre Excellenz haben die Gnade, und
vergeben einem dreisten Opponenten: ich weiß gewiß,
Ewre Excellenz wünschen selbst, daß ich recht behalte,
indem die Ehre unserer Universität, sonderlich in den
Augen des Königes, durch nichts so sehr établiert werden
könnte, als wenn ein hiesiger vor kurzem gestorbener
Professor einen solchen Preis erhielte.
[Bl. 27v]
Am Ende meines Briefes an Herrn Best werden Ewre
Excellenz noch eine Frage finden, über die eigentlich
Höchstderoselben Ordre erwarte: ob die französische
Übersetzung der Fragen für die Arab-Reisenden durch
den dänischen Gesandten an vornehme Orte in England
bringen soll, (wie mir allenfalls erlaubt ist)
oder ob mir auch erlaubt sey, ein Paquet derselben
noch nachzusenden, so der Quartals-Courier an
Herrn Best mitnehme.
Mit tiefster Devotion beharre,
Ew. Hochgebohrnen Excellenz
Gött. den 27.
Jun. 1763.
unterthänigster diener
Johann David Michaelis
Fußnoten
- ↑ Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
- ↑ Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
- ↑ William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
- ↑ Joseph Jérôme Lefrançais de Lalande (1732-1807) war ein französischer Mathematiker und Astronom. Ab 1762 war er Professor für Astronomie am Collège Royale in Paris.
