Briefwechsel Tobias Mayer


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Michaelis, Johann David (1717-1791)[1]
Empfänger Best, William Philip[2]
Ort Göttingen
Datum 27. Juni 1763
Signatur Niedersächsisches Landesarchiv Hannover: Hann. 92, Nr. 1028, Bl. 24r-25v
Transkription Hans Gaab, Fürth

Wohlgebohrner Herr Geheimter Secretaire,
Hochgeehrtester Herr Vetter,



Ewre Wohlgebohrnen werden vor etwan 14 Tagen mein in der Mayerischen Preissache aufgesetztes, und an die Admiralität gerichtetes Memorial empfangen, und vermuthlich der Admiralität bereits übergeben haben.   Das jetzt beykommende Paquet, so dreymahl mit dem Siegel der Frau Prof. Mayern, und einmahl mit dem von der Societät der Wißenschaften gezeichnet, auch mit A signirt ist, enthält noch einige bisher nicht übergebene Monds-Tabellen, die der seel. Mayer hinterlaßen hat: und welche, als zu den übrigen Preis-ausarbeitungen des seel. Mannes gehörig, die Frau Profession der Admirabilität gleichfals übergeben will. Sie ersucht deshalb Ewr. Wohlgebohren, solches in ihrem Nahmen zu thun, und über den richtigen Empfang dieser noch in den innern Couverten etliche mahl versiegelten Piecen ein Recepisse zu begehren.

Die Frau Professorin Mayern hat die Schwachheit der Witwen, etwas argwöhnisch zu seyn, und bey allem meinem Eifer und Treue meint sie, sie könnte durch meine Schuld oder Mangel der Einsicht in Schaden kommen. Daher ist ihr mein Me-

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morial an die Admiralität nicht genug gewesen, sondern sie hat verlangt, daß ich ihr noch eines in ihrem eigenen Nahmen aufsetzen möchte. Dis habe gethan, und übersende es hiebey, weil doch billig jeder in seiner eigenen Sache auch seinen eigenen Willen haben soll, mit gehorsamster Bitte, es gleichfalls zu übergeben.

Ich habe mir zugleich die freyheit genommen ein anderes Paquet in Folio an Ew. Wohlgebohrnen zu senden, so dem Herrn Kennicot[3] in Oxford bestimmet ist, und des Herrn Cammer-Praesidenten Excellenz[4] unterthänigst zu bitten, es dem Quartal-Courier mit zu geben. Es enthält dieses Exemplarien eines auf Befehl des Koenigs von Dännemark geschriebenen Buchs,[5] so auswärtigen Gelehrten auf Ordre Sr. Majestät in die Hände gebracht werden soll: ein Exemplar für Ew. Wohlgeb. habe gleichfalls mit beygelegt, und bitte, solches einer gütigen Aufnahme zu würdigen.

Es sollen von eben diesem Buche noch einige Exemplaria an vornehme Herren in England gesandt werden. Allein ich habe mich gescheut, so viel bey zulegen, weil der Quartal-Courier sonst zu sehr

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beschwert werden könnte. Ich glaube, es sey am besten, daß ich sie über Altona an den Dänischen Gesandten zu London schicke, der ohnehin von Coppenhagen aus ersucht ist, mit in Besorgung der an vornehme Herren destinirten Exemplarien dieses Buchs sein Couvert zu leihen.

Mit größester Hochachtung beharre,

Ewr. Wohlgebohrnen

Göttingen den 27. Jun
    1763.

gehorsamster Diener
Michaelis  

P.S: Damit nichts verlohren gehen
möge, habe ich alle Sachen in Ein
Paquet eingeschlagen



Fußnoten

  1. Johann David Michaelis (1717-1791) war Theologe und Orientalist an der Universität Göttingen. U.a. er entwarf für die dortige Akademie der Wissenschaften die Satzung und war einige Zeit Sekretär, dann Direktor dieser Einrichtung.
  2. William Philip Best war Privatsekretär des englischen Königs Georg III. und als solcher für die hannoverschen Angelegenheiten zuständig. In seiner Lebensbeschreibung schrieb Michaelis zu ihm, dass der geheime Sekretär "damals mir unbekannt und nachher mein naher Verwandter" gewesen sei. Die beiden waren Vettern, worüber Michaelis der wichtigste Verbindungsmann von Mayer nach London geworden ist.
  3. Benjamin Kennicott (1718-1783) war Geistlicher der Church of England, aber auch Bibliothekar und Philologe.
  4. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
  5. Michaelis, Johann David: Fragen an eine Gesellschaft Gelehrter Männer, die auf Befehl Ihro Majestät des Königes von Dännemark nach Arabien reisen. Frankfurt a.M.: Garbe 1762


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