Mit freundlicher Genehmigung der Stadtbibliothek Nürnberg (HbH IX, 8)

Johann Wilhelm Baier

Theologe und Mathematiker in Altdorf.

* 12.6.1675 in Jena ; †11.5.1729 in Nürnberg

Lebenslauf:

Johann Wilhelm Baier besuchte ab 1691 die Fürstenschule in Heilsbronn. 1692 begann er sein Theologiestudium in Jena. 1694 zog er mit seinem Vater nach Halle, kehrte aber nach dessen Tod nach Jena zurück. Hier wurde er im Frühjahr 1695 Magister. Die folgenden Jahre verbrachte er mit Reisen, bis er 1700 als Adjunkt in die Philosophische Fakultät der Universität Jena aufgenommen wurde. 1704 folgte er dem Ruf nach Altdorf, wo er Nachfolger des Mathematik- und Physikprofessors Johann Christoph Sturm (1635-1703) wurde. Sein eigentliches Interesse galt aber der Theologie und so wechselte er 1709 auf einen frei gewordenen Lehrstuhl in dieser Fakultät. 1717 kam der Lehrstuhl für Griechisch hinzu. Baier starb im Mai 1729 in Altdorf. Nachfolger Baiers auf dem Lehrstuhl für Mathematik und Physik wurde 1710 Johann Heinrich Müller (1671-1731).

Wirken:

Bei seinen Mathematikvorlesungen orientierte sich Baier an der Mathesis Enucleata seines Vorgängers Johann Christoph Sturm. Auch kündigte er nach dessen Vorbild ein Collegium Experimentale an. Seinen Physikvorlesungen legte er die Naturgeschichte von Antoine Le Grand (1629-1699) zu Grunde. Das überrascht insofern, als Le Grand Cartesianer war, der diese Philosophie in England bekannt gemacht hat. Seine Bücher wurden in Nürnberg nachgedruckt und teilweise sogar ins Deutsche übersetzt. Damit ist davon auszugehen, dass Baier Cartesianer war, also keine Eklektiker wie sein berühmter Vorgänger, für den Descartes (1596-1650) nur eine Autorität neben anderen war. Baiers besonderes Interesse galt der Meteorologie, über die er 1705 auch Vorlesungen hielt. Für seine Witterungsbeobachtungen benutzte er ein Thermometer, was damals noch keine Selbstverständlichkeit war. Als Nachfolger von Sturm konnte sich Baier allerdings wenig profilieren.

Zum Großen Nürnbergischen Rechenbuch von 1715 des Altdorfer Schreib- und Rechenmeisters Johann Kleeman (1664-1717) schrieb er ein Vorwort.

Ausgewählte Werke:

Literatur:

Links:



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