Ulrich Wagner

Autor des ersten deutschen Rechenbuchs.

Lebenslauf:

Die ersten drei namentlich bekannten Rechenmeister der Stadt Nürnberg sind Michael Jöppel, Rupprecht Kolberger (?-1505) und Ulrich Wagner. Aus Ratsprotokollen von 1486/87 geht hervor, dass sie miteinander im Streit lagen, doch ist nichts näheres bekannt. Wagners Rechenschule scheint gut floriert zu haben, denn er konnte sich 1489 ein Haus in der Spitalgasse kaufen, doch muss er bereits kurz darauf verstorben sein, da im folgenden Jahr bereits seine „Wittib“ vor Gericht erschien. Seine Frau Kunigunde scheint die Schule zunächst alleine weitergeführt zu haben. Sie ist 1513 als Rechenmeisterin im Totengeläutbuch von St. Sebald verzeichnet. Sie wurde sicherlich schon von ihrem Sohn Hans Wagner unterstützt, der das Haus in der Spitalgasse 1523 wieder verkaufte. Ihm scheint es finanziell nicht besonders gut gegangen zu sein. 1519 unternahm er eine Wallfahrt nach Aachen. Während dieser Zeit vertrat ihn Heinrich Preu, möglicherweise ein Sohn des Rechenmeisters Hans Preu. In den Totengeläutbüchern von St. Sebald ist er 1541 als „rechenmeister auffm Heffnersplatz“ verzeichnet. Sein Sohn Johann (?-1540) wurde Theologe.

In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es neben dem Sohn von Ulrich Wagner einen zweiten Schreibmeister Hans Wagner. Er taucht erstmalig im Oktober 1523 in den Ratsverlässen auf: Damals wurde er ins Loch gesteckt, weil er seine Frau misshandelt hatte. Der Rat versuchte, die Eheleute wieder zusammenzubringen. Die erste Ehefrau starb 1529, in der zweiten Ehe scheint es keine Probleme mehr gegeben zu haben. Hans Wagner II starb 1560 als Rechenmeister am Milchmarkt.

Wirken:

Ulrich Wagner ist der Autor des ersten gedruckten kaufmännischen Rechenbuchs in deutscher Sprache. Von diesem 1482 in Bamberg bei Heinrich Petzensteiner gedruckten Werk hat sich nur ein Fragment in den Beständen der Staatsbibliothek in Bamberg erhalten. Ein Jahr später erschien ein weiteres Rechenbuch bei Petzensteiner, dessen Autor wahrscheinlich wieder Wagner war. Dieses „Bamberger Rechenbuch“ hat sich bis heute in zwei Exemplaren erhalten und erschien 1988 als Faksimile-Ausgabe. Darin werden in 21 Kapiteln die Grundrechenarten, die Bruchrechnung sowie die Umrechnung verschiedener Münzen ineinander behandelt. Dies geschieht nach der „Nürnberger Methode“, d.h. die Aufgaben wurden in Probleme des täglichen Lebens eingebettet.

Von Hans II Wagner hat sich ein Verzeichnis seines Nachlasses erhalten, das einen Einblick in die typische Einrichtung einer Rechenschule gibt: Er besaß 26 Tisch-, 19 Hand- und 56 Betttücher, 5 Spannbetten sowie einen Tisch mit zahlreichem zugehörigen Geschirr. Für den eigentlichen Schuldienst standen 8 Schulbänke, 1 Pult, 3 kleine Tafeln, 3 Bänke, 3 Stühle, 9 Truhen, 2 Glocken sowie Papier zur Verfügung. An Bargeld hatte er nur 6 Gulden, seine gesamte Hinterlassenschaft wurde auf 147 Gulden geschätzt.

Ausgewählte Werke:

Literatur:

Links:



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