Briefwechsel Georg Moritz Lowitz


Kurzinformation zum Brief  
Autor Lowitz, Georg Moritz (1722-1774)
Empfänger Münchhausen, Gerlach Adolph von (1688-1770)[1]
Ort Göttingen
Datum 1. Oktober 1759
Signatur Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 5756, Bl. 18r-19r, 20r
Transkription Hans Gaab, Fürth


Hochgebohrner Freyherr.

Hochgebietender Herr Geheimer-Rath
und Cammer-Präsident.

Gnädigster Herr!

Eurer Hochgebohrnen Excellenz wird es schon bekant seÿn, daß endlich mein Herr Schwager[2], der Herr Rath Franz, die so lange verzögerte Bezahlung der zur grossen Weltkugeln Casse schuldigen Gelder, leisten will: und daß wir deswegen unsere Gemeinschaft beÿ diesem Werke trennen wollen. Ich übernehme deshalb ganz alleine die Sorge für die Fortsetzung und Auslieferung der grossen Weltkugeln, die bisher unendlichen Hindernissen unterworfen war.

Da nun nächster Tagen diese Gelder an die hier ernenten Herren Commisarien[3] über Hannover kommen sollen, die mir als denn, wenn wir völlig auseinander gesetzet sind, müssen ausgezahlet werden; so muß ich schleunigst Anstalten machen, damit die zu diesen Weltkugeln noch fehlenden Sachen, die hier im Lande nicht verfertiget werden können, anderwärts herzu bringen sind. Deswegen ist es unumgänglich nöthig, daß ich selbst also bald eine Reise nach

[Bl. 18v]
Nürnberg thue, um dorten alle messingenen Stücken z. Ex. die grossen Meridiani, und andre Theile gießen und aus dem Rohre drehen lasse. Ich kan noch diese Ferien zu der Reise anwenden, und doch zu rechter Zeit meine Winter Vorlesungen anfangen.

Eure Hochgebohrne Excellenz erlauben also gnädigst, daß ich um höchst dero Genehmhaltung zu dieser Reise unterthänigst anhalten darf.[4] Eine Reise die für die Beschleunigung der Weltkugeln Arbeit, die nunmehr mein eigenes Interesse wird, höchst vortheilhaft ist. Ich habe schon im ganzen Lande, ja auf dem Harze so wohl als auf dem Sollinger,[5] wo ich über all deswegen selbgewesen bin, Versuche gemacht, ob ich diese nöthigen Sachen bekommen könne, es ist mir aber allenthalben unmöglich geworden.

[Bl. 19r]
Ew. Hochgebohrne Excellenz werden mit der nächsten fahrenden Post ein Specimen aus meiner hier in meinem Haus eingerichteten Kupferdrukereÿ zu erwarten haben.[6] Es ist ein Architectonisches Kupferwerk mittelst welchem ich nach und nach die schönen Gebäude und Maschinen des Churfürstenthums Hanover, dem Publico bekant zu machen gedenke. Dieses erste Werk bestehet aus 14 Kupferplatten, und stellet das schöne Wohnhauß Ihre Excellenz des Geheimen Rathes von dem Bussche vor.[7] Ich ließ es von den besten Künstlern auf meine Kosten stechen, und hoffe beÿ dem Publico Beÿfall zu erwerben: so wie ich wünsche daß es Ew. Hochgebohrnen Excellenz sich gnädigst gefallen lassen möchten.

[Bl. 20r]
Ew. Hochgebohrne Excellenz erlaube gnädigst mich in Höchst Deroselben Gnaden und Schutz unterthänigst zu empfehlen: indem ich in tiefster Devotion zu seÿn die höchste Ehre habe

Hochgebohrner Freÿherr
Hochgebietender Herr Geheimer Rath und Cammer Präsident !

Ew. Hochgebohrne Ecxcellenz

Göttingen am 1ten October
        1759.

unterthänigster Diener

Georg Moritz Lowitz


Fußnoten

  1. Gerlach Adolph von Münchhausen (1688-1770) war Minister des Kurfürstentums Hannover. 1734 war er einer der Begründer der Georg-August-Universität in Göttingen. Ab 1753 war er als Kammerpräsident für das Ressort Finanzen zuständig.
  2. 1746 heiratete Lowitz Anna Veronika Franz (1705-1756), die Schwester von Johann Michael Franz. Sie ist allerdings nach zweijähriger Krankheit am 4. Januar 1756 gestorben.
  3. Als "Commisarien" waren Samuel Christian Hollmann (1696-1787) und Anton Friedrich Büsching (1724-1793) eingesetzt. Vgl. den Bericht der beiden vom 8. Oktober 1759, sowie
    Büsching, Anton Friderich: Wöchentliche Nachrichten von neuen Landcharten. 3/8+9 (20.02.1775), S. 57-68 (Nachruf auf Lowitz), S. 112 hier S. 65
  4. Die Reise nach Nürnberg wurde Lowitz von Münchhausen am 4. Oktober 1759 genehmigt (Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 5756, Bl. 17r).
  5. Der Solling ist ein Mittelgebirge im Weserbergland nordwestlich von Göttingen.
  6. Münchhausen ordnete am 6. Oktober 1759 an, Lowitz noch vor dessen Abreise nach Nürnberg 10 Reichsthaler aus der Universitätskasse reichen zu lassen (Universitätsarchiv Göttingen: Kur. 5756, Bl. 21r).
  7. Johann Clamer August von dem Bussche (1706-1764) war Braunschweig-Lüneburgischer Geheimrat und später Staatsminister in Hannover. Sein Todesjahr wird online häfig mit 1766 angegeben. Er erwarb 1751-1752 in Hannover gegenüber dem Leineschloss, in dem heutzutage der Niedersächsische Landtag seinen Sitz hat, drei Häuser, die er abreissen und an deren Stelle ein dreigeschossiges Palais errichten ließ. Lowitz hat davon 1759 die Risse auf seine Kosten und in seinem Verlag herausgebracht. Das Vorwort stammt vom Festungsbaumeister Georg Friedrich Dinglinger (1702-1785), der bei der Erstellung des Werkes beteiligt gewesen zu sein scheint:
    Dinglinger, Johann Georg: Risse von dem neuen Wohn-Gebäde Sr. Excellenz des Herrn Geheimten Raths von dem Bussche zu Hannover. Göttingen: Georg Moritz Lowitz 1759.
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