Briefwechsel Erasmus Blank


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Blank, Erasmus (1677-1704)
Empfänger Scheuchzer, Johann Jacob (1673-1733)
Ort Paris
Datum 14. Mai 1702
Signatur ZB Zürich: Ms H 297, S. 25-27
Transkription Hans Gaab, Fürth

Monsieur mon tres honoré Docteur,

Ich habe zwar schon vor etl. Monath deßen Werthes Schreiben auf das beste erhalten, wäre auch meiner Schuldigkeit gemäß gewesen, daß ich solches ehedem hätte beantworten sollen, allein weilen mir bekand, daß Hgl. Hl. Doctor jederzeit beschäftiget ist, und ich auch keine materie gefunden die würthig wäre gewesen Ihne solche zu berichten, als habe wider meinen Willen solches biß dato müßen anstehen lassen. Der Seel. Hintritt Hln. d. Kramers[1] hat mich so betrübt, daß dieses viel zu wenig solches zu exprimiren, zweiffle auch nicht daß dieser grosse Verlust beÿ allen, absonderlich die Jhn nur gekannt haben, grosses trauern wird verursacht haben, ich betauere nur seine Jugend, die in Ihrer schönsten Blüth so hat verwelcken müßen, welche fürwahr ein rarissimum exemplum eruditionis gewesen, wie denn dieses testimonium, Mons. Clement premieur Bibliothecus du Roy[2] im Beÿsein vieler Gelehrten ihm gegeben. Er wird nicht allein von diesen sondern noch von vielen andern, absonderl. auch von Mons Abbé de Longuerüe[3] schmertzl. betauret, welcher gerne gewünschet, daß die kürtzl. aufs neu wiederum angefangene Correspondence hätte länger können continuirt werden. Wegen der überschickten Catalogi Libr. histoire natural. bin höchstens verbunden wollte nur wünschen daß ich solche alle alhier bekommen könnte, dennoch aber habe nach und nach schon unterschiedl. angetroffen; von denen aufgetragenen habe biß dato nicht mehr als einmahl, Carpoium? de atramentis[4] u: Gerv. freit? Roy. Museum[5] angetroffen, welche aber von keine raisonablen Preiß zu haben sind, indem sie vor den ersten 10. Pfund? und vor den andern 25. haben wollen, wenn ich sie aber noch einmahl um geringeren Preiß antreffen sollte, wollte ich solche vor meinen Hyl. Hln. D. kauffen. Mons. Diverney[6] hat kürtzl. in der academie die jährl. 2. mahl publice gehalten wird, curentatione et respirationem incisum sowohl anatomicé als phÿsice demonstirt, welches er künfftiges Jahr in den actis academicis publiciren wird.[7] Mons. Tournefort[8] hat vor ungefehr etl. Wochen über 500. plantas nondum descriptas von Constantinopel in hiesige

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academie geschickt, mit Versprechung, daß Er dieses Jahr noch gewiß hier arriviren wird, es geht indeßen mit der Botanic sehr schlecht hier zu, indeme die meisten plantas schon vergangen, und noch kein Anfang ist gemacht worden, in chirurgicis und anatomicis aber ist die beste occasion, die nur zu haben ist. Mons. l'Abbé de Hautfeulle,[9] ein vortreffl. Mechanicus hat kürtzl. eine Machine erfunden, durch hilff derer man die Mücken kan gehen und essen hören,[10] ich werde solche ehestens zu sehen bekommen. Wegen der conservation der Blumen, habe folgendes ∇ von einem curieusen Mann bekommen, ...[11] m. rectifice, worinnen man allerleÿ Blumen u: Sachen conserviren, und in Ihrer Gestalt u: Farb wenn das Glaß wohl zu gebrauchen, erhalten kan.[12] Ich möchte gerne wissen ob solches angieng, indeme noch kein experiment davon gemacht. Wenn Ihro Excellentz die Reÿß auf die Alpen antretten werden, bitte meiner eingedenck zu seÿn u: ein und andere curiosa oder plantas, die Sie nicht aestimiren beÿ seite zu legen, wenn Sie bißweilen auch was schönes könnten zu kauff bekommen, daß Sie schon doppelt hätten, wollte wohl die freÿheit nehmen Sie zu ersuchen, daß Sie solche vor mich anschaffen sollten, ich wollte das ausgelegte Geld mit danck erstatten. Von meiner Reÿß kan noch nichts melden, indeme von hauß erst brieff erwarte, ich hätte wohl gerne diesen Sommer über noch hier bleiben wollen, allein es scheinet weilen der Krieg allzu sehr über hand nimmt, daß es nicht wohl dürfte sicher seÿn; indeme man schon keine paßport mehr außgibt; wenn mein Hyl. Hl. D. mir auß der Schweitz einen procuriren könnte, würden Sie mich höchsten obligiren, wollte auch gerne etwas recht ansehen, wormit ich einem eine Verehrung thun könnte. Vielleicht habe noch einmahl die Ehre meinen Hhln. D. in Zürich mündlich zu sprechen, wenn es nicht sollte erlaubt seÿn anderswo hinzugehen. Gestern ist der Keller[13] aus der Schweiz? mit einem jungen Landolt[14] von Zürich alhier ankommen, er hätte beßer gethan wenn er wäre drauß geblieben, ich soll in sein Nahmen beÿ Mons. Hyl. Hln. D. Seine recommendation machen. Ob Prodromus Lithologiae Helveticae curiose[15] heraus gekommen, verlanget mich sehr zu wissen, deßgleichen ob nicht mit den novis literariis Helveticis[16] continuirt wird?

[S. 27]
Mons. Riederer,[17] der die Ehre gehabt mit meines Hyl. Hln. D. noch in Altdorff zu studieren, wird mit ehesten mit Mons. Pfintzing[18] seinem untergebenen durch Zürich passieren; Er hat mich ersucht an meinen Hyl. Hln. D. zu schreiben und Selbigen zu bitten daß er wolle die Güthigkeit haben, und eins und das andere sehens würthige Ihnen zu zeigen, sie werden sonst nur trachten, auf dero recommendation gegen dienste zu leÿsten. Im übrigen was die Zeit über in Zürich neues passirt mögte gerne wissen, von Kriegs Sachen aber bitte mir nichts zu schreiben, weilen es nur adieuse Materie. Nebst meiner Empfehlung an die Frl. Liebste Frl. Mutter, Ihro Schwestern, Hln. Bruder, Mons. von Schönau[19] u: Mons. Maiß,[20] Mons. Ott[21] und deß Frl. Liebsten und allen übrigen bekandten u: guthen freunden verbleibe

Monsieur mon tres honoré Docteur

à Paris 14. Maji 1701.

Votre tres humble et
tres obeissant    

Serviteur            
Blanck.

Mons. Plumier wird seine Plantas
in Gallia sponte nescentes[22] so bald wohl
noch nicht heraus geben, indeme er die
Kupffer alle selbsten macht, und kürtzl.
erst ein artig Büchl. l'art de tourner[23]
publicirt, darinnen Er die gantze drechsel
kunst weiset


Fußnoten

  1. Johann Jakob Cramer (1673-1702) war Professor für orientalische Sprachen in Herborn. Gesundheitlich angeschlagen kehrte er 1701 in seine Heimatstadt Zürich zurück, wo er am 9. Februar 1702 starb. Blank hatte ihn in Zürich kennengelernt und ihm auch von Basel aus einen Brief geschrieben.
  2. Nicolas Clément (1647-1712) war königlicher Bibliothekar.
  3. Louis Dufour de Longuerue (1652-1733), auch bekannt als Abbé de Longuerue war ein französischer Archäologe, Linguist und Historiker sowie ein Fachmann für antike Geographie.
  4. Dieser Titel konnte bislang nicht identifiziert werden.
  5. Dieser Titel konnte bislang nicht identifiziert werden.
  6. Joseph-Guichard Du Verney (1648-1730) war ein französischer Anatom und Chirurg. Im Brief vom 19. Januar 1702 an Scheuchzer schrieb Blank: "Er [= Du Verney] hat vor einen cursum 50 Louis d'or begehrt".
  7. Gemeint sein könnte:
    Du Verney, Joseph-Gichard: Mèmoire sur la circulation du sang des poissons qui ont des ouies et sur leur respiration. Memoires 1701, S. 226-241.
  8. Joseph Pitton de Tournefort (1656-1708) war ein französischer Botaniker und Forschungsreisender.
  9. Jean de Hautefeuilles (1647-1724) war ein französicher Abt, Physiker und Erfinder.
  10. Hautefeuilles hat sich auch mit akustischen Problemen beschäftigt, ein Publikation zum ":organus auditus" ist aber nicht bekannt.
  11. Anscheinend folgen hier Literaturhinweise, die zugeh&ourigen Zeichen sind aber nicht verständlich.
  12. Vgl. hierzu Blanks Brief an Scheuchzer vom 19. Januar 1702.
  13. Möglicherweise Johann Heinrich Keller (1687-1750), der Stadtphysicus in Schaffhausen wurde.
  14. Diese Person konnte bislang nicht identifiziert werden, Namenschreibweise unsicher.
  15. Eine Schrift dieses Titels ist von Scheuchzer nicht bekannt.
  16. Die Nova Literaria Helvetica kamen noch bis 1714 heraus.
  17. Vermutlich Johann Georg Riederer (1675-1750), der sich 1695 in Altdorf eingeschrieben hatte. Er wurde Pfarrer von Eibach.
  18. Vermutlich Christian Carl Pfinzing (1680-1739), der sich 1698 in Altdorf immatrikuliert hatte.
  19. Johann Heinrich von Schönau (1649?-1729) war reformierter Theologe.
  20. Diese Person konnte bislang nicht identifiziert werden, Namenschreibweise unsicher.
  21. Vermutlich Johann Heinrich Ott (ca. 1678-1724), der als Doktor der Medizin und Philosophie starb.
  22. Charles Plumier (1646-1704) war ein französischer Botaniker. Ein Werk über Pflanzen in Frankreich gibt es von ihm nicht.
  23. Plumier, Charles: L'art de tourner [Die Kunst des Drechslers]. Lyon: Jean Certe 1701.