Briefwechsel Erasmus Blank


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Blank, Erasmus (1677-1704)
Empfänger Scheuchzer, Johann Jacob (1673-1733)
Ort Nürnberg
Datum 17. März 1703
Signatur ZB Zürich: Ms H 297, S. 29-31
Transkription Hans Gaab, Fürth

Monsieur et tres honoré Docteur,

Sie werden sich sehr wundern warum ich die Zeit her u. da ich das Glück hatte durch Zürich zu reÿßen und meine Hyl. Hln. D. zu treffen, noch nicht meine Schuldigkeit abgeleget und mit ein paar Zeilen von hier auß aufgewartet habe, indeme doch solches höchl. promitirt, ich könnte zwar meines Orthes viele excusen vorbringen, die wichtigste aber soll seÿn daß ich die Zeit über eine kleine Reÿß nach Regenspurg gethan, und hier verschieden affairen gefunden, die mich etwas abgehalten meinem devoir[1] nachzukommen. Ich habe die gantze Zeit über da ich von Pariß bin meinen Kasten mit Büchern, die ich mir aldorten angeschaffet noch nicht bekommen, sondern stehen noch immer in Schaffhausen, weilen der Kauffmann nicht trauet solche anhero zu senden auß Furcht sie mögten weg genommen werden, weilen es frantzösische Bücher sind. Wenn solcher mit ehesten nicht ankommen wird, so werde ich die Freÿheit nehmen solche zurück an meinen Hyl. Hln. D. gehen zu lassen, solchen so lang aufzubehalten biß etwan der Krieg sich enden mögte. Hierinnen siehet es sehr schlimm auß und siehet man auf allen

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Seiten nichts als Kriegs Zurüstungen; wir warten alle Stund zu vernehmen daß Neumarkt nahe an Altdorff über seÿn? soll,[2] es ist niemand als die armen Leuthe zu betauern, die gäntzl. ruinirt und von Hauß und Hoff vertrieben werden, man bringt täglich so viel warh, welches von den Soldaten ist geraubet worden herein, daß man verboten solches zu kauffen. In unsern Gebiet ist eine solche furcht unter den Land Mann daß Er alles zu Marckt bringt und verkaufft, wie denn diese Wochen über 2000 Kälber auf den Marckt gelangen weilen die Fütterung alle verzehret und veräußert wird, also daß wir nicht allein Krieg sondern die gröste Teuerung zu gewarten haben; Gott stehe uns beÿ, und wende die straff von uns. Man redet hier starck daß der General Schlick von denen Churfürsten wäre geschlagen worden und beederseits viel Volks auf dem Platz geblieben, Gott geb daß die Confirmation nicht kommen mögte.[3] Von Hln. D. Lochner[4] werden Sie zweiffelsohne das Päckl. erhalten haben, Er lässet sich bestens recommendiren. Auß Holland habe kürtzlich Nachricht erhalten daß Hugenij opera posthuma von Hln. de Volder[5] in Leÿden in 4to wären herauß gegeben worden, 1. Tractatus Dioptrices 2. de vi perenssionis 3. descriptio automatis planetarij.[6]

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die Semina von Hl. de Volkamer[7] werden wohl auch schon unterwegs seÿn. Sonsten weiß nichts zu berichten als beÿ deß Frl. Mutter, Frl. Liebsten, Jfr. Schwestern und allen bekandten meine dienstl. recommendation zu machen, empfehle zugleich meinen werthen Hln. Docteur in Göttl. Schutz und Gnade verbleibend

Monsieur et tres honoré
Docteur            

Nürnberg den 17. Martij 1703.

Votre            
tres promt et dedié
E. Blanck.  

Mons. Ott[8] der sich etl. Wochen
alhier aufgehalten, wird morgen
geliebt es Gott von hier mit
den Begleit nacher Frankfurth
um alda der Meße beÿzuwohnen
und von dar nach Zürich wiederum
gehen


Fußnoten

  1. devoir: Pflicht.
  2. Im Rahmen des Spanischen Erbfolgekrieges wurde die kurbayerische Festung Neumarkt am 17. März 1703 von kaiserlichen Truppen erobert. Am 28. März kam es dann zur Schlacht bei Schmidmühlen östlich von Neumarkt, die die bayerischen Truppen gewannen. Allerdings nutzte dem bayerischen Kurfürst der Sieg nichts, da sein südliches Herrschaftsgebiet bedroht war und er sich dahin wenden musste. Die Oberpfalz blieb somit von den kaiserlichen Truppen besetzt, der fränkische Kreis war nicht mehr direkt bedroht.
  3. Anfang März 1703 waren die kaiserlichen Truppen unter General Schlick (1663-1723) in der Nähe von Passau vom bayrischen Kurfürsten geschlagen worden.
  4. Michael Friedrich von Lochner (1662-1720) war Physicus in Nürnberg. Ab 1711 war er Director Ephemeridum der Leopoldina und damit für die Herausgabe von deren Schriften zuständig.
  5. Burchard de Volder (1643-1709) war ein niederländischer Mathematiker.
  6. Volder, Burchard de (Hrsg.): Christiani Hugenii Zelemii, dum viveret, toparchae Opuscula postuma quae continent Dioptricam; Commentarios de vitris figurandis; Dissertationem de corona et parheliis; Tractatum de motu; [Tractatum] de vi centrifuga; Descriptionem automati planetarii. Leiden: Cornelium Boutesteyn 1703.
    Johann Gabriel Doppelmayr (1677-1750) hatte schon 1701 in einem Brief auf diese Ausgabe aufmerksam gemacht, Blank hat die Information wahrscheinlich von ihm.
  7. Johann Christoph Volkamer (1644-1720) war ein Nürnberger Kaufmann und Botaniker. Zu den übersandten Samen siehe den Brief an Scheuchzer vom 6. Juni 1703.
  8. Vermutlich Johann Heinrich Ott (ca. 1678-1724), der als Doktor der Medizin und Philosophie starb.