Briefwechsel Johann Leonhard Rost


Kurzinformation zum Brief
Autor Rost, Johann Leonhard (1688-1727)
Empfänger Kirch, Christfried (1694-1740)
Ort Nürnberg
Datum April 1717
Signatur UB Basel: L Ia 720, Bl. 13r-14v
Transkription Hans Gaab, Fürth

HochEdler und Hochgelahrter,
   Hochgeehrtester Herr.

Ew. HochEdl. von 17 Martii an mich ergangenes Schreiben, habe mit desto größerem Vergnügen durchlesen, weil Sie mich in selbigen Ihrer schätzbaren Bekandschaft, u: künftigen Correspondenz, würdig erachtet. Ich statte dahero für beydes verpflichteten Danck ab, und verspreche solche Hochachtung, mit den ersinnlichsten Dienstgeflißenheiten, beständig zu erwidern; dahero mir auch zu deren Vollziehung, mir Dero angenehme Befehle, ausbitte. Was nun den Inhalt von Ew. HochEdl. Schreiben anbelanget, ist es mir eine hertzliche Freude, daß man sich zu Berlin, die Beförderung der Astronomie durch Anschaffung guter Instrumenten, so wohl angelegen seyn läßet: u: wäre billich zu wünschen, daß auch der Templum Uraniae Noricae[1], unter der itzigen direction des Hl Prof. Doppelmayrs, gleiches Glück, zu gewarten hätte: allein so ist hiesiges Observatorium, gar nicht mehr, wie bey des Hl Prof. Müllers Zeiten: und dürfte sich bald in ein anderes Uraniburgum verwandeln,[2] wenn nicht brave Leute, hier und anderwerts, Hl Prof. Doppelmayr aufmuntern, daß er den gäntzlichen Ruin, durch nachdrückliche Vorstellungen, an gehörigen Orte, verhintdren solte.[3] Ob der kleine Englische Quadrant[4], dessen Abzeichnung und Beschreibung, Herr Wagner, mir zu senden versprochen, seine dienste, mit gutem Effect tuhn wird, bin sehr begierig zu vernehmen. Denn ich sehe hier nicht, wie es möglich, daß man trinae Secunda darauff verzeichnen kan, weil der 6 schuhige Quadrant des Hl von Wurzelbau, nur dena secunda anzeiget: u: mit dem tubo, den man an statt der dioptern gebrauchet, weis ich nicht, ob man so richtig, wie mit den ordinairen pinnacidiis[5] observiret, weil unstritig die Gläßern, das verum punctum altitudinis, etwas verändern, und alß eine besondre correction erfordern.[6] Es mus es demnach die praxis zeigen, ob es sich nach dem Sinn seines Erfinders, gebrauchen läßet. Meinen ersten brief, den an Ew. HochEdl nach Dantzig geschrieben,[7] habe daselbst, auf Hl Endters[8] Erinnerung an Herrn

[Bl. 13v]
Banquier Phanco[?] addressiret. Er ist allen Ansehen nach verlohren gegangen: drum sende auf Ew. HochEdl. Begehren, nochmalen die observationes macularum Solarium annii praeteriti[9], deren situm, magnitudinem et figuram[10], ich durch einen 5schuhigen Tubum observiret. Haben Ew. HochEdl etwas zu erinnern, wie ich die Maculn, nach dieser gemeinen methode, beßer observiren solle: so geschiehet mir ein großer Gefallen dadurch, und ich will eben so danckbar dafür, wie vor die Nachricht, wegen der discrepanz in der Zeit, meiner letzten observation[11], seyn. Ich habe gleich nachgehends befunden, daß mein triangulum filare[12], Schuld daran: und es sind sonsten noch andere Stücke, die mir den Unterschied der Zeit, erklähret haben. Da sich bey Erfindung der Zeit ex Altitud. fixarum die Ascens. ☉is ratsam im Mittage gebrauchet: ist darum geschehen, weil ich die methode des Seel. Herrn Vaters[13], noch nicht gewust, biß sie mir der Hl von Wurtzelbau jüngsthin kund getahn, als ich ohngefehr, von der correctione horologii[14], mit ihm discurirte. Er läßt Ew. HochEdl. sich wieder dienstlich empfehlen, und wird ihm lieb seyn, einige wehrte Zeilen von Ihnen zu entsiegeln. Sie bemühen sich nebst Hl Wagnern dahin, die Societatem Regiam zu vermögen, daß dieselbe, gedachten Hl von Wurtzelbau, zur Publicirung seiner Tabularem Solarium[15], und der biß auf 1744 bereits daraus berechneten Eph. Solar. persuadiren möchte, weil es ewig Schade, wenn dieses Scriptum, wegen seiner ungemeinen accuratesse verborgen läge, u: vielleicht, nach seinem Tod, gar verlohren ginge. Ich bin itzt im Werck begriffen 100. Astronomische Problemata zu ediren,[16] worinnen ich unter anderen, die accuratesse, von den Tabb. Solaribus, des Hl von Wurzelbau, deßen observationes, ich zu Exempeln gebrauche, deutlich vorstellen werde. Ich habe zu dem Ende, allbereit den locum ☉lis auf 1717 den 7 Februar. und 29 Junii tempore medio in meridie, mit adhibirung der neuesten differentia meridianorum, aus Ew. HochEdl. Ephemeridibus[17] ex Tabb. Danicis Longomontani,[18] Nov-Almagestiis Riccioli,[19] Philolaeicis Bulliadi,[20] Rudolphinis,[21] Cassinianis,[22] Hevelii,[23] Mariae Cunitiae,[24] de la Hire,[25] aus den alten und nun wieder neu herauskommenen Streetianis[26] etc. calculiret, so viel ich nehmlich hier Tabellen, bekommen können. Nun möchte ich berechnete loca ☉is, auch aus den Tabb. Alphonisinis,[27] Prutenicis,[28] Wingii,[29] Landsbergii[30] u. aus den Manuscriptis ☉aribus des Seel. Hl Vaters haben: bitte dahero Ew. HochEdl gantz gehorsamst, wenn Sie diese Bücher besitzen, oder in Berlin wißen, mir mit denen daraus calculirten locis ☉is

[Bl. 14r]
je eher je lieber, gütigst an Handen zu gehen, welches ich öfentlich mit schuldigstem danck zu erkennen verspreche. Wenn es möglich, daß Ew. HochEdl, Ihre Ephemerides continuiren: so trachten Sie Anstalten zu machen, daß sie vor künftiges Jahr, heraus kommen. Denn ich habe meine hundert Problemata, quoad usum Ephemeridum[31] hauptsächlich darauf gerichtet, und ad interim mit Exemplis ex Gauppii Ephemeride ad Ao. 1717[32], erläutert. Dieses letztere Scriptum gehet so wol ab, daß kein Exemplar mehr zu haben: und will ich, wenn ich diese Woche an Hl Gauppen schreibe, zugleich Nachricht einholen, ob man eine Continuation, seiner Arbeit zu hoffen. Von dem neuen Nord-Schein,[33] ist hier wider eben so wenig, als vor einigen Jahren, gesehen worden. Ich habe schon längst getrachtet, Ew. HochEdl. in Dantzig edirtes Scriptum,[34] dessen Hl Wagnern Erwehnung getahn, in die Hände zu bringen: allein, man wolte hier in keinem Buchladen, etwas davon wißen: ich bitte dahero mir die Rubric kund zu machen, damit es aus Leipzig, oder anderwerts verschreiben kan. Das Wetter ist bey einem halben Jahr her, hier immer so trübe, daß noch keine rechte observation gehalten, noch weniger, die jüngste ☽Finsterniß zu Gesichte kriegt.[35] Vielleicht wirds ins künftige beßer. Ich will als denn, alles getreulich communiciren u. Ew. HochEdl. im Voraus ersuchen, mir die Verbeßerung meiner astronomischen Arbeit, allezeit frey kund zu machen. Ew. HochEdl. ermangeln dabey nicht, wenn es Dero Geschäfte erlauben, hiezu oft an mich zu schreiben. Ich will das Porto hertzlich gerne ertragen, und es vor eine marque Ihres Wolwollens halten, wenn Sie mir hierinnen gratificiren. Der ich mich übrigens zu Ew. HochEdl. beharrlichen affection, bester maßen empfehle; und lebenslang, in unverfälschter Aufrichtigkeit verharre

Ew. HochEdl.
   Meines Hochgeehrtesten Herrn

Nürnberg.
der    April Ao. 1717

gehorsamster und ergebenster
diener.

Joh. Leonhard Rost.

[Bl. 14v]

P.S.

Ich will verhoffen, die liebe Frau Mutter,[36] werde sich noch am Leben und bey guter Gesundheit befinden. Ob ich schon die Ehre nicht [habe] Sie so wenig als Ew. HochEdl. von Person zu kennen, bitte doch, meine gehorsamste Empfehlung an Sie. Denn ich habe dieses ehrliche Weib, wegen Ihrer Erfahrenheit in der Astronomie u: Astrologie, allezeit sehr hoch geschätzet: und will ferner mit allen rechtschafenen Leuten, von Grund der Seelen wünschen, daß Sie Gott, noch viele Jahre, zu Ew: HochEdl Trost und Vergnügen, bey steter Gesundheit und aller gesegneten Laibes und Herzen Zufriedenheit, gnädiglich erhalten wolle.

Wenn sichs tuhn ließe, wäre es wol für die Liebhaber der Astronomie gut, wenn Ew. HochEdl Ihren Astronomischen Wahrsager,[37] hinten einige gehaltene Observationes anhingen, die so wol Ew. HochEdl. als andere über die merckwürdigsten Phaenomena coeli gehalten.

Hl Professor Müller zu Altorf, hat mir befohlen, an Ew. HochEdl. in seinem Namen eine Begrüßung zu überschreiben: u: hält er sehr viel von Ihnen pp.

Beilage: Rosts Sonnenfleckenbeobachtungen 1716-1717[38]
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UB Basel: L Ia 720, Bl. 13-26

 

Fußnoten

  1. Der Nürnberger Tempel der Urania, also die Nürnberger Sternwarte auf der Vestnertorbastei nördlich der Burg.
  2. Die Uraniborg war die Sternwarte von Tycho Brahe (1601) gewesen. Er musste sie 1597 verlassen, in der Folge wurde sie zerstört.
  3. Nach dem Tod des Sternwartengründers Eimmart im Januar 1705 war Johann Heinrich Müller Sternwartendirektor geworden. Nachdem der 1710 nach Altdorf wechselte, folgte ihm Doppelmayr. Schon im vorigen Brief an Kirch vom 23. Dezember 1716 hat sich Rost über die Zustände auf der Nürnberger Sternwarte beschwert und Doppelmayr dafür verantwortlich gemacht.
  4. Im Inventar der Berliner Sternwarte von 1725 ist aufgeführt:
    "1. Ein künstlicher in Engellandt verfertigter Quadrant im Radio bey 4 Fueß stehet in einen Gehäuse oben auf dem Altan.
    Hierzu gehöret ein Kästlein worinnen die Schlüßel, so zu diesen Quadranten gehören, verwahret werden, ingleichen ein paar dioptren die an diesen Quadranten appliciret werden können."
    Im Inventar von 1745 ist ein "Englischer quadrant" von "2½ Schuh im Radio" aufgeführt.
    Ein Quadrant von "2½ Fueß" mit "dioptris telescopicis" wird auch im Verzeichnis von 1725 aufgeführt, wird hier allerdings nicht als "englischer Quadrant" bezeichnet. Nachdem Rost von einem kleinen Englischen Quadranten spricht, dürfte dieser zweite Quadrant gemeint sein.
    Vgl. Hamel, Jürgen: Die Instrumente der Berliner Sternwarte, 1700-1780. In: Hamel, Jürgen (Hrsg.): Gottfried Kirch (1639-1710) und die Berliner Astronomie im 18. Jahrhundert (= Acta Historica Astronomiae 41). Frankfurt a.M.: Harri Deutsch 2010, S. 65-11, hier S. 94, 99.
  5. Die "pinnacidiis" sind kleine durchbohrte Blättchen, die als Visiervorrichtung dienen.
  6. Es gab damals eine große Debatte, ob man zum Anvisieren Teleskope benutzen soll. Der Nürnberger Astronom Johann Philipp von Wurzelbau (1651-1725) lehnte sie in Gefolgschaft von Hevelius ab, da Teleskope ihre Fehler haben und es damit zu Verzerrungen kommt.
  7. Christfried Kirch hatte sich 1715/16 in Danzig aufgehalten, 1716 ging er als Direktor der dortigen Sternwarte nach Berlin. Wie aus Rosts Brief vom 23. Dezember 1716 hervorgeht, hatte er zuerst erfolglos versucht, Kirch in Danzig per Brief zu erreichen.
  8. Die Endters waren eine bekannte Nürnberger Buchhändlerfamilie.
  9. observationes macularum Solarium annii praeteriti: Die Beobachtungen der Sonnenflecken des vergangenen Jahrs. Sie sind dem Brief angehängt.
  10. deren situm, magnitudinem et figuram: deren Lage, Größe und Figur.
  11. Vgl. dazu den vorigen Brief von Rost an Kirch vom 23. Dezember 1716.
  12. Das "triangulum filare" beschreibt Rost ausführlich in seinem Astronomischen Handbuch von 1718, S. 303.
  13. Gottfried Kirch (1639-1710) war um 1700 der bekannteste deutsche Astronom. Damals wurde er der erste Direktor der Berliner Sternwarte.
  14. correctione horologii: Korrektur der Uhr. Es geht also um die Ermittlung der korrekten Uhrzeit.
  15. Wurzelbaus "Tabularem Solarium" kamen 1719 heraus: Uranies Noricae basis astronomica. Nürnberg: Selbstverlag 1719
  16. In seinem Astronomischen Handbuch von 1718 führt Rost 100 astronomische Probleme auf: "Hundert Astronomische Problemata; worinnen nicht nur das vornehmste von der Doctrina Sphaerica: sondern auch zugleich ein ausführlicher Unterricht / von dem Gebrauch und Nutzen der Astronomischen Observationum und der Ephemeridum coelestium, enthalten ist".
  17. Kirch, Christfried: Teutsche Ephemeris auf das Jahr 1714-1716. Worinnen nicht nur der Lauff der Planeten in Länge und Breite, sondern auch derselben sichtbarer Auf- und Untergang ... und andere nützliche astronomische Rechnungen zu finden. Nürnberg: Endter 1714.
  18. Longomontanus, Christian Severin (1562-1647): Astronomia Danica. Amsterdam: Blaeu 1640 [BSB München]
  19. Riccioli, Giovanni (1598-1671): Almagestum Novum. Bologna: Benati 1651 [BSB München]
  20. Boulliau, Ismael (1605-1694): Astronomiae Philolaicae. Paris: Cramoisy 1657 [BSB München]
  21. Kepler, Johannes: Tabulae Rudolphinae. Frankfurt a.M. et al. 1629; zahlreiche Neuauflagen.
  22. Cassini, Giovanni Domenico (1625-1712): Ephemerides Bononienses Mediceorum syderum. Bologna: Emilii Mariae, & fratrum de Manolessiis 1668 [BSB München]
  23. Hevelius, Johannes (1611-1687): Firmamentum Sobiescianum sive Uranographia. Danzig: Stoll 1690
  24. Cunitz, Maria (1610-1664): Urania propitia. Oels: Johann Seyffert 1650 [UB Wroclaw]
  25. De la Hire, Philippe (1640-1718): Tabulae astronomicae. Paris: Boudot 1702
  26. Thomas Streete (1621-1689): Astronomia Carolina: A New Theory of the Coelestial Motions, composed according to the Best Observations and most Rational Grounds of Art. London: Lloyd 1661. Doppelmayr hat davon 1705 einen lateinische &Uuuml;bersetzung herausgebracht [BSB München].
  27. Tabulae astronomicae Alphonsinae. Venedig: Ernst Ratdolt 1483 [BSB München]. Es gab zahlreiche Neuauflagen.
  28. Reinhold, Erasmus (1511-1553): Prutenicae Tabulae coelestium motuum. Tübingen; Morhard 1551 [BSB München]. Zahlreiche Neuauflagen.
  29. Wing, Vincent (1619-1668): Harmonicon coeleste, or, The coelestiall harmony of the visible world. London: Leybourn 1651
  30. Lansberg, Philippus van (1561-1632): Tabulae motuum coelestium perpetuae. Middelburg: Zacharias Roman 1632
  31. quoad usum Ephemeridum: hinsichtlich des Gebrauchs der Ephemeriden
  32. Johannes Gaupp (1667-1738) war Pfarrer in Lindau, der aber vor allem als Astronom bekannt wurde. 1716 hatte er Ephemeriden für 1717 herausgebracht.
  33. Sowohl am 15./16. Dezember 1716 als auch am 6., 9. 10. und 11. Januar sollen Nordlichter zu sehen gewesen sein. Vgl. Pilgram, Anton: Untersuchungen über das Wahrscheinliche der Wetterkunde durch Vieljährige Beobachtungen. Wien: von Kurzbeck 1788, S. 222 [BSB München]
  34. Kirch, Christfried: Auffrichtiger Bericht / Von dem in itztlauffenden 1716den Jahre den 17. Martii Abends entstandenen ungewöhnlichen Nord-Schein / Wie solcher allhier in Dantzig / die gantze Nacht durch mit Fleiß observiret / und nachgehends in unterschiedenen beygefügten Figuren abgezeichnet worden. Danzig 1716 [SB Berlin]
  35. Am 27. März 1717 hatte eine partielle Mondfinsternis stattgefunden.
  36. Maria Margaretha Kirch, geborene Winkelmann (1670-1720) hatte 1692 den 30 Jahre jüngeren Gottfried Kirch geheiratet. Sie war eine fähige und eigenständige Astronomin.
  37. Gottfried Kirch brachte ab 1677 unter dem Namen Georg Fabricius den Warhafftigen Himmels=Bothen oder Astronomischen Wahrsager heraus. Nach seinem Tod scheint der Sohn die Reihe fortgeführt zu haben, ab 1743 wurde sie von Michael Adelbulner (1702-1779) herausgegeben. Vgl: Herbst, Klaus-Dieter: Kommentiertes Verzeichnis der Schreibkalender für 1701 bis 1750 im Stadtarchiv Altenburg (= Acta Calendariographica - Forschungsberichte, Band 3). Jena: HKD 2011, S. 17f. sowie dessen den Eintrag zu Fabricius im Biobibliographischen Handbuch der Kalendermacher von 1550 bis 1750.
  38. Die im Band der UB Basel hier angehängten Sonnenfleckenbeobachtungen erstrecken sich bis in den Dezember 1717, können also nicht alle diesem Brief vom April 1717 beigelegt worden sein. Von den Überschriften und der Blattzählung her sind sie in sechs Gruppen zu unterteilen, wobei wie im Brief oben angemerkt, die erste Gruppe mit einem 5schuhigen Tubus beobachtet worden sein dürfte:
    Gruppe 1 Bl. 15r-16r 17.05.1716-18.11.1716 keine Angaben zum Teleskop
    Gruppe 2 Bl. 17r-v 29.04.1717-18.06.1716 beobachtet mit einem 6-schuhigen Teleskop
    Gruppe 3 Bl. 18r 05.04.1717-07.04.1716 beobachtet mit einem 8-schuhigen Teleskop
    Gruppe 4 Bl. 19r-20v 10.04.1717-28.05.1716 beobachtet mit einem 6-schuhigen Teleskop
    Gruppe 5 Bl. 21r-24v 14.07.1717-26.09.1716 beobachtet mit einem 5-schuhigen Teleskop
    Gruppe 6 Bl. 25r-v 26.09.1717-19.12.1716 beobachtet mit einem 6-schuhigen Teleskop

    Im Brief vom 17. Oktober 1720 zählt Rost Teleskope der Längen 1, 2, 4, 6, 7, 12 und 16 Schuhen als in seinem Besitz befindlich auf, solche der Länge 5 oder 8 kommen nicht vor. Rost dürfte somit seine Sonnenfleckenbeobachtungen mindestens teilweise auf dem Observatorium angestellt haben. Ende 1720 stellt er diese Beobachtungen (siehe die Tabelle unten) ohne Angabe von Gründen ein. Das könte damit zusammenhängen, dass er wegen seines Konflikts mit Doppelmayr das Observatorium nicht mehr benutzte.
    Zurück den Beobachtungen: Von der zeitlichen Abfolge her gilt für die Gruppen die Reihenfolge 1 - 3 - 4 - 2 - 5 - 6.
    Diesem Brief war nur die Gruppe 1 beigelegt. Gruppe 3 und 4 dürften dem Brief vom 14. Juni beigelegt worden sein, die restlichen könten dem Brief vom 21. Dezember 1717 beigelegt worden sein ("macularum Solis (davon Sie wieder Observationes finden)"). Nachdem es sinnvoll scheint, die Fleckenbeobachtungen als Gruppe zu erhalten, wurde hier die Blattabfolge der UB Basel beibehalten. Weitere Sonnenfleckenbeobachtungen von Rost finden sich in der Sammlung von Natur- und Medicin- wie auch hierzu gehörigen Kunst- und Literatur-Geschichten, Versuch 7 bis 14, sie erstrecken sich bis in den Herbst 1720, siehe die folgende Tabelle:
    07. Versuch, S. 305-313
    22.12.1718-14.03.1719
    08. Versuch, S. 437-441
    22.03.1719-30.04.1719
    08. Versuch, S. 566-570
    01.05.1719-31.05.1719
    08. Versuch, S. 691-695
    02.06.1719-20.06.1719
    09. Versuch, S. 77-84
    23.06.1719-28.07.1719
    09. Versuch, S. 207-211
    01.08.1719-31.08.1719
    09. Versuch, S. 332-335
    03.09.1719-28.09.1719
    10. Versuch, S. 469-471
    05.10.1719-31.10.1719
    10. Versuch, S. 578f.
    02.11.1719-13.11.1719
    10. Versuch, S. 687f.
    06.12.1719-31.12.1719
    11. Versuch, S. 71f.
    05.01.1720-23.01.1720
    11. Versuch, S. 180f.
    24.02.1720-29.02.1720
    11. Versuch, S. 308f.
    03.03.1720-15.03.1720
    12. Versuch, S. 422-425
    28.03.1720-30.04.1720
    12. Versuch, S. 533-538
    01.05.1720-31.05.1720
    12. Versuch, S. 645-649
    01.06.1720-29.06.1720
    13. Versuch, S. 56f.
    03.07.1720-31.07.1720
    13. Versuch, S. 190f.
    05.08.1720-30.08.1720
    13. Versuch, S. 288-290
    02.09.1720-29.09.1720
    14. Versuch, S. 423-425
    01.10.1720-28.10.1720
    14. Versuch, S. 527f.
    07.11.1720-29.11.1720
    20. Versuch, S. 577f.
    05.06.1722-28.06.1722
    32. Versuch, S. 376f.
    05.04.1725-08.04.1725