Briefwechsel Johann Gabriel Doppelmayr


Kurzinformation zum Brief Zum Original
Autor Doppelmayr, Johann Gabriel (1677-1750)
Empfänger Kirch, Christfried (1694-1740)
Ort Nürnberg
Datum 19. Dezember 1726
Signatur UB Basel: L Ia 688, Bl. 91,1r-2r
Transkription Hans Gaab, Fürth

Nürnberg den 19 Dec.
A.C. 1726.  

HochEdler und Hochgelährter,
Insonders Hochgeehrtester Herr, Hochwerther Gönner!

Das von E. HochEdlen den 15 Octobr. an mich abzulassen Beliebte hat[1] mir auff dessen Durchleßung auch unter andern vornemlich darinnen zu einer großen Freude gedienet, daß es fast so viel als richtig wie Mr. de l'Isle das bewuste Paquet, weil er nicht geantwort, müsse erhalten haben, denn man sonsten Ihme in einem andern Fall nicht wohl erst innerhalb Jahr und Tagen dafür repondiren kan, da er es eher hätte thun und negiren sollen, allein ich will noch das beste hoffen.[2] Unser guter Herr Pater Nicasius hat inzwischen wieder vermuthen seine station in Ingolstatt verändern und nach Madrit in den character als Prof. Mathem. in der neu auffgerichteten spanischen RitterAcademie gehen müssen, allwo er allbereit seyn wird, da er schon vor 5. Wochen zu Wasser von Genua nach Madrit abgegangen, diese jehe veränderung hat mich ganz perturbiret, jedoch

[Bl. 91,1v]
wird seine weitere Correspondenz auch aus Madrit solche Perturbation haben, inzwischen ist mir doch lieb daß jemand, als ein guter bekanter Freund, in Spanien, von dar aus, wie auch aus Portugall, künfftighin nun doch mehrere Astronomische Observationes werden zu erheben seyn, als bishero geschehen. Vor die beyrische Beschreibung der Globorum[3] erkenne mich als einen Schuldner, und vor die dabey gütigst communicierte Observationes Astronomicis sehr verbunden, bey uns sind die lezte Sonnen und Monds: finsternißen wegen des unstäthen wetters in eine geringe Consideration gekommen,[4] daß auch nichts richtiges davon communicable gemacht werden mag. Sollte Mr. de l'Isle aus Petersburg schreiben und ein und anders zur communication überschicken, bitte mir nachricht davon zu geben, ich werde ein gleiches thun. Hl. H: Goldbach soll auch noch immer in Petersburg seyn,[5] wovon die Zeit ein mehrers lehren wird und Hl. Praeses Blumentrost

[Bl. 91,2r]
ist noch bishero in seiner Correspondenz am wichtigsten gewesen, da ein und das ander Schreiben inzwischen von Ihm erhalten.[6] Womit nächst Heyl-Anwünschung daß das alte wohl und das neue Jahr ebenfalls glücklich (nach dem Schluß) im Anfang und Fortgang seyn möge. Verharre

    Meines hochgeehrtesten Herrn

ergebenster Diener        
JG Doppelmayr mpp      


Fußnoten

  1. Der Brief von Kirch vom 15. Oktober 1726 ist nicht überliefert.
  2. Auf seiner Reise von Paris nach St. Petersburg hatte Joseph-Nicolas Delisle (1688-1768) im Dezember 1725 Doppelmayr in Nürnberg besucht. Ende Dezember reiste er in Richtung Berlin weiter. Doppelmayr hat ihm dorthin ein Paket nachgesandt, das ihn jedoch nie erreichte.
  3. Vgl. dazu auch Doppelmayrs Brief an Kirch vom 9. März 1725. Johann Beyer (1673-1751) brachte heraus:
    - Beschreibung einer Himmels-und Erd-Kugel von einer gantz neuen Invention, darinn die Sternen und deren Bilder nicht verkehrt, sondern recht natürlich zu sehen und zu erlernen sind nebenst einem kurtzen doch deutlichen Unterricht von deren sonderbaren Nutzen und wie sie sollen gebrauchet werden. Hamburg: König 1718. Neuauflage Hamburg 1730.
    - Ausführliche Beschreibung Eines Neuen globi terrestris, Oder Erd-Kugel: Welcher Nach der neuesten und besten Eintheilung der Geographie itziger Zeit eingerichtet nebenst einem kurtzen und deutlichen Unterricht Von der Eintheilung, Nutzen und Gebrauch dieses Globi. Hamburg: König 1722.
  4. Am 25. September 1726 gab es eine partielle Sonnenfinsternis, am 11. Oktober 1726 eine partielle Mondfinsternis.
  5. Christian Goldbach (1690-1764) ging 1725 nach St. Petersburg.
  6. Die überlieferten Brief Doppelmayrs von und an Laurentius Blumentrost (1692-1755) finden Sie hier.

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