Georg Christoph Eimmart

Gründer der ersten Nürnberger Sternwarte.

* 22.08.1638 in Regensburg[1] ; † 05.01.1705 in Nürnberg[2]

Lebenslauf:

Nach dem Besuch des Regensburger „Gymnasio poetico“ (heute das Albert-Magnus-Gymnasium) schrieb sich Eimmart 1655 in Jena in die Matrikel ein. Hier studierte er vor allem Mathematik unter Erhard Weigel (1625-1699), mit dem ihm eine lebenslange Freundschaft verband. Ende 1658 kehrte er nach Regensburg zurück.

Nachdem dort sein Vater gestorben war, folgte er ca. 1660 seine Schwester Regina Christina (1636-1708) nach Nürnberg, die Jacob von Sandrart (1630-1708) geheiratet hatte, der sich in Nürnberg als Kupferstecher niedergelassen hatte und einen kleinen Kunstverlag betrieb. Eimmart hoffte wohl in diesem Umfeld Arbeit als Kupferstecher zu erhalten, was ihm auch gelang. Er war an der Leitung der 1662 gegründeten Malerakademie beteiligt, von 1699 bis kurz vor seinem Tod war er sogar Direktor dieser Einrichtung.

Das mit seiner künstlerischen Tätigkeit verdiente Geld verwendete Eimmart dazu, eine Sternwarte einzurichten. Diese gründete er im Herbst 1678 auf der Vestnertorbastei nördlich der Nürnberger Burg. 1688 musste er seine Sternwarte schließen, da Gefahr bestand, dass die Franzosen in die fränkischen Lande einfallen würden und die Bastei somit wieder für ihre eigentliche Bestimmung gebraucht wurde, doch konnte er den Betrieb bereits im folgenden Jahr wieder aufnehmen. Ende des 17. Jahrhunderts war dieses Observatorium die einzige größere Sternwarte in Deutschland.

Nach seinem Tod wurde diese Sternwarte von der Stadt Nürnberg aufgekauft und sein Schwiegersohn Johann Heinrich Müller (1671-1731) als Direktor eingesetzt. Als Müller 1710 einem Ruf nach Altdorf folgte, wurde Johann Gabriel Doppelmayr (1677-1750) neuer Sternwartenleiter. Nach dessen Tod konnte sein Nachfolger Georg Moritz Lowitz (1722-1774) die unterdessen verrotteten Geräte im Herbst 1751 nur noch abbauen lassen. Ein Neubau der Sternwarte scheiterte an den Finanzen der Stadt Nürnberg.

Der 57 dicke Bände umfassende Nachlass von Eimmart gelangte auf verschlungenen Wegen in die Staatsbibliothek von Petersburg.

Wirken:

Das künstlerische Schaffen Eimmarts wurde in wesentlichen Teilen von Doris Gerstl beschrieben, siehe den Literaturhinweis unten. Eng verbunden mit seinem künstlerischen Schaffen war, dass er Himmels- und Landkarten sowie Globen herstellte.

Die Bedeutung der Eimmart-Sternwarte liegt weniger in den wissenschaftlichen Beobachtungen, die hier vorgenommen wurden – die Messgenauigkeit lag etwa bei den Werten, die Tycho Brahe (1546-1601) bereits ca. 100 Jahre früher erreicht hatte. Eimmart liebte es aber, sich auf der Sternwarte mit jungen Leuten zu umgeben, die so eine solide Einführung in die beobachtende Astronomie erhielten. Einige seiner Assistenten leisteten später beachtliche Beiträge zur Astronomie und Geografie. Zudem öffnete er seine Sternwarte bei besonderen Himmelsereignissen der Bevölkerung, ein Angebot, das gerne angenommen wurde. Damit kann die Eimmartsternwarte als erste Volkssternwarte in Nürnberg bezeichnet werden.

Bild der Eimmartsternwarte aus dem Neuen Himmelsatlas von Doppelmayr von 1742
(Mit freundlicher Genehmigung der SUB Goettingen)

Mitgliedschaften und Ehrungen:

1699 wurde Eimmart in die Pariser Akademie der Wissenschaften aufgenommen, auf Vorschlag von Leibniz am 4. April 1701 auch als auswärtiges Mitglied in die Preußische Akademie der Wissenschaften. Ein Krater auf dem Mond wurde von dem bedeutenden Hobbyastronomen Johann Hieronymus Schröter (1745-1816) um 1800 nach Eimmart benannt. Seit 25. Mai 2007 steht am Platz seiner Sternwarte, der Vestnertorbastei auf der Burg Nürnberg, eine Gedenksäule für Eimmart. Die Säule wurde von der Nürnberger Astronomische Gesellschaft e.V. (NAG) errichtet.

Ausgewählte Werke:

Literatur:

Links:


Fußnoten

  1. "den 23. Aug. [1638] Georg Christoph Eymmart Burger und Mahler alhir, Christina, Georg Christoph, der Ernwerd Herr Georg Heimericher, des Jünger Burger unnd E. Erbl. Stadtgerichts Assesoris alhir, P. Andres Jann" (Taufen Regensburg-Gesamtgemeinde 1630-1646, S. 472). Der zuständige Pfarrer war Andreas Jahn (Janus, 1588-1652).
  2. "Der Erbar und Vest Georg Christoph Eimmart, Mathematicus, an der Fleischbrucken, dreÿerl. mit 4 Gliedern auffwarten und dreÿen frantzosischen Kutschen, St. Johannis, ♀ d. 9. Januarij [1705]" (Bestattungen St. Lorenz 1703-1741, S. 32).
  3. "Der Erbar und Kunstreich Georg Christoph Eimmart, Radierer und Kunstmahler, deß weiland Erbarn und Fürnehmen Georg Christoph Eimmarts, Conterfeyers und Mahlers zu Regenspurg Sel. hinterlaßner Ehl. Sohn. Die Erbar und EhrenTugendsame Jungfr. Maria, deß weiland Erbarn und Fürnehmen Christoph Walthers, verordneten Waagmeisters in hiesiger statt Fronwaag Sel. hinterlaßene Ehl. Tochter. Ao. 1668. ☽ 20. Apr. alß ein halb Votiv in der Kirch copulirt" (Trauungen St. Sebald 1664-1691, Bl. 75v, Nr. 43).
  4. "11. [August 1644] Christoph Walther Handelsmann, Clara Sabine, Maria, Fr. Maria Andreae Baÿers Rathschreibers Seel. Wittib" (Taufen St. Sebald 1632-1654, S. 608).
  5. "Margaretha[!] Eimmartin: Hl. Prof. Müllers Fr. Schwiegermutter. ae. s. 79 Jahr. ☿ den 26. dito [= 26. August 1722]" (Bestattungen Altdorf 1710-1724, S. 332, Nr. 65).
  6. "♂ 2. Jul. [1667] Der Erbar und fürnehme Christoph Walther, eines WohlEdel: Gestreng Fürsichtung und Hochweisen Raths verordneter Waagmeister in der untern Fronwaag, in der Neuen Gaß im Sohnnen[?] Gäßlein" (Bestattungen St. Sebald 1654-1667, Bl. 251v, Nr. 4).


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